Band 
Vierter Band
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Jonathau Swift und die englische Satire.

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land, der nur wenige Wochen hatte währen sollen, dehnte sichregelmäßig zu vielen Monaten aus, und wenn die daheim verwei-lende Stella während all dieser Feldzüge des Ehrgeizes auch dieVertraute blieb, wenn sie nach wie vor von Swifts gewaltigerPersönlichkeit gefesselt war, so fiel doch schon ein Schatten aufdas Glück ihrer Liebe. Dem scharfen Auge des liebenden Weibesentging es nicht, daß Swift nichts von sehnsüchtiger Ungeduld,keinen Drang, die Tage ihrer endlichen Vereinigung herbei-zuführen, zeigte. Es ist nicht nachweisbar, daß ihm das selt-same, unbestimmte Verhältnis, in dem erzu Stella stand, in irgendeiner Weise peinlich erschienen sei. Aber alle Berichterstatterüber dies Verhältnis haben sich in Vermutungen erschöpft,was es gewesen sei, das Swift die Geliebte zur Marter jahr-zehntelangen Wartens verurteilen ließ. Denn längst vor jenerLeidenschaft, welche die Neigung zu Stella gefährdete, warSwift in sich unsicher, ob er überhaupt noch eine Heirat mitStella wünschen solle. Ihm scheint das sinnliche Element in derLiebe gänzlich gefehlt zu haben, der unbefangene Cynismus,der in manchen Stellen seiner Briefe zu Tage tritt, kann beinaheals ein Beweis dafür gelten. Und wer gewisse Zeilen in denspätern „Reisen Gullivers" recht versteht und besonders den Be-richt, den Swift von Ehe und Nachkommenschaft der Houyhnhmms,der edlen Pferde des letzten Kapitels, gibt, kann kaum zweifeln,daß der große Satiriker eine Art physischen Ekels vor der Eheund jedenfalls den Drang nicht empfand, der die Geschlechterzu einander geführt.

Je mehr Jahre verstrichen, ohne daß Swift ein Resultatseiner rastlosen Mühen, seiner litterarischen Arbeiten sah, um sostärker ward das Gefühl grollender Bitterkeit und wilden Zorns,sein Pfund vergraben zu müssen, in ihm. Als er im Jahr 1709mit beinahe der gesamten Geistlichkeit das Verfahren des Whig-ministeriums gegen Sacheverell und dessen thörichte Predigtvom göttlichen Rechte der Könige verurteilte, haßte er schonlängst die leitenden Häupter der Whigpartei, die ihn mit leerenVersprechungen hingehalten hatten. Noch fesselte ihn Gewohn-heit an dieselben, er beteiligte sich am „IRtlsr" Steeles, undwährend er vom Juli 1709 bis zum August 1710 in Laracorverweilte, mochten die Londoner Whigs wähnen, ihn noch fernerzu den Ihrigen zählen zu dürfen. Die längst erwartete Kabi-nettskrise trat ein. Während derselben übernahm Swift einen