Band 
Vierter Band
JPEG-Download
 

312

HlmdertulidvierzehiiteS Kapitel.

Swift unter diesen Verhältnissen zufrieden, durch politische Not-wendigkeit bald wieder nach London zurückgerufen zu werden:die wachsenden Mißhelligkeiten zwischen Oxford und Boling-broke, die er schon früher mehrfach versöhnt hatte, gaben denAnlaß. Während des ganzen letzten Regierungsjahrs der Kö-nigin Anna verweilte der neue Dechant in London, immer tieferin die damalige Torhpolitik verstrickt. Bekanntlich gingen Bo-lingbroke, Atterburh, Somond darauf aus, den Bruder Annas,den Prätendenten Jakob III., aus Frankreich auf den britischenThron zurückzuführen. Wie weit sich Swifts Beteiligung andiesen Plänen und Jntrigen erstreckte, läßt sich kaum feststellen;nach seinem ganzen Charakter aber läßt sich annehmen, daß ervor den Schwierigkeiten eines Unternehmens, das allen Teil-nehmern die glänzendsten Belohnungen versprach und damalsdurchaus nicht schimärisch war, nicht zurückschrak.

Wie dem auch sei, die Katastrophe der Torypartei, ihrerMacht, ihres Glücks trat bald ein. Königin Anna starb imAugust 1714, das Haus Hannover gelangte in Besitz der Kroneund die Whigs zur Regierung. Swifts Hoffnungen auf ein Bis-tum, auf eine große politische Laufbahn waren abermals, dies-mal entscheidender und schmählicher als je, gescheitert. Mit ge-nauer Not entging er der drohenden Anklage, welche viele seinerGenossen traf. Während Bolingbroke und Somond nach Frank-reich flüchteten, kehrte Swift, wie er sich selbst ausdrückte, „Grollim Herzen und die Bitterkeit des Todes auf den Lippen", nachDublin zurück. Bon Esther Vanhomrigh hatte er in einem BriefAbschied genommen, er brach die Verbindung ab und bat sie,ihm nie nach Irland zu folgen. Bei der Heimkehr machte Stellaihre Ansprüche auf die Ehe geltend, es war eine dunkle, qual-volle Zeit, welche Swift durchlebte. Sein wilder, energischerGeist fügte sich nur schwer in die neue Ordnung der Dinge, inden Briefen an die Londoner Freunde Arbuthnot und Popeverfluchte er sein Dasein, sein Schicksal, das ihn an das verhaßteIrland kette. Bald sollte ihm Irland noch verhaßter werden.Miß Vanhomrigh-Vanessa ertrug die gänzliche Trennung vondem heißgeliebten Manne nicht, sie kam trotz seines Verbots nachDublin. Hier erst scheint sie Swifts Beziehungen zu Stella er-fahren zu haben, aber ihre Leidenschaft ward durch die nieder-beugende Entdeckung nicht vermindert. Stella, die ihre Ehredurch die Fortdauer des seitherigen Verhältnisses gefährdet sah,