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Vierter Band
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Z42 HundertundstebzehnteS Kapitel. Der englische Familien- und Sittenroman.

gestorben am 20. Oktober 1771 zu Livorno, der ursprünglichWundarzt gewesen war und sich nach mancherlei Erlebnissen undAbenteuern der Litteratur gewidmet hatte. Er war nicht ohneechtes poetisches Talent, wie unter anderm sein Gedicht „DieThräne Schottlands" erwies, in dem er das Los seines Heimat-lands nach der Schlacht bei Culloden beklagte. Seine Romaneaber, die seinen Namen hauptsächlich erhielten, standen in keinerBeziehung auf der Höhe Fieldings. Smollet war es nur umLeben und Bewegung zu thun; er beobachtete gut und scharf,hielt aber alles, was er sah, und was Abenteuer und Abwechse-lung in den Verlauf einer Geschichte brachte, für darstellungs-würdig. In seinem Humor war nichts von der herzerquickendenFröhlichkeit Fieldings, sondern waltete eine entschiedene Lust amderben, plumpen Spaße; seine Charaktere stellt er, auch wo erfür dieselben interessieren will, meist als brutale Glücksjäger dar,die zuletzt durch einen glücklichen Zufall in den Besitz einesgroßen Erbteils und in das Bett eines Mädchens gelangen,welches für sie zu gut ist. Dies gilt namentlich von den Ro-manen: „Roderich Random" (London 1746), „PeregrinePickle" (,/l'>>6 Lävsnturos olksregrins kioüte", ebendas. 1751),„Ferdinand Fathom" („b'sräiuLoä oouot tUtllom", ebendas.1753), während sich Smollets letzter Roman: „Die FahrtenHumphreh Clinkers" (,,Tbs sxpöäitioiiokUiiMpbre^Oliotitzr",ebendas. 1771), weit über feine Vorgänger erhob und doch dieSitten der Zeit in einer Weise darstellte, daß er eine Haupt-quelle für alle kulturgeschichtlichen Schilderungen Englandsunter der Regierung König Georgs III. geblieben ist.

Die Charakteristik des englischen Sittenromans, die Herein-ziehung aller Gesellschaftsschichten in die realistische Darstellung,wurde von entscheidender Bedeutung für die Weiterentwicklungder Romandichtung und der Litteratur überhaupt. Wenn selbstein Lessing den Ausspruch that, daß niemand besser zu wissenvermöge, „was zur Bildung der Herzen, zur Einflößung derMenschenliebe, zur Beförderung jeder Tugend das Zuträglichste"sei, als ein Romanschriftsteller wie Richardfon, wenn GibbonFieldings „Tom Jones" unsterblicher pries als das Eskorialund das Haus Österreich, so legte dies wenigstens hinlänglichan den Tag, welch eine schmerzlich empfundene Lücke der poe-tischen Litteratur durch diese Romane geschlossen wurde.