Hundertundachtz eh ntes Kapitel.
Ludwig Holberg uud die dänische Litteratur.
Das 18. Jahrhundert entschied, indem es die spanischeund italienische Litteratur vollends in den Hintergrund drängte,daß die maßgebende Entwickelung des poetischen Geistes fortanan die drei Hauptlitteraturen, die französische, englische unddeutsche, gebunden blieb. Dies hinderte natürlich nicht, daß dasGesetz, nach welchem die Entwickelung in den großen Litteraturenerfolgte, von einer und der andern genialen Begabung in einerder nebenhergehenden kleinern bedeutender und besser erfülltward als von den Vertretern desselben Gesetzes in der maß-gebenden Litteratur. So gesellte sich zur Gruppe englischerSchriftsteller, welche mitten in der Periode der Herrschaft derfranzösischen Litteratur die Selbständigkeit des germanischenGeistes erwiesen und rückwirkend die nächste Entwickelung derfranzösischen Litteratur selbst bestimmen halfen, der erste nam-hafte Dichter einer Litteratur, welche bis hierher nicht sonder-lich beachtet worden war. Ludwig Holberg, der dänische Mö-llere, dessen ursprüngliche komische Kraft und Lebensfülle seinevon denFranzosen abhängige litterarische Theorie glänzend über-wand, tritt an die Seite Addisons, Swifts und Defoes undführt mit seinen Schöpfungen die Litteratur seines Landes undVolks glänzend in den Kreis der modernen europäischen Lit-teraturen ein.
Nicht ohne historisches Sonderleben und nicht ohne Bethä-tigung nationaler Thatkraft hatte das dänische Volk bis zum18. Jahrhundert sich entwickelt und behauptet. In den äußernGeschicken des kleinen tapfern, seemächtigen und seefreudigenVolks lebt auch in den Jahrhunderten der Neuzeit immernoch etwas vom Geiste der alten Zeit, von den Fahrten undHeldenthaten der jütischen und seeländischen Seekönige; die