344
Hundertlmdachtzehnte? Kapitel.
historischen Volkslieder der Dänen aus dem 16. und17. Jahrhundert knüpfen zum Teil an jene Gesänge, derenStoff und Gehalt die Chronik des Saxo Grammaticus be-wahrt hat, und an die Xssmxevissr aus älterer Zeit an. Diedänische Kunstdichtung und Litteratur hingegen, welche mit derdeutschen Reformation anhebt und sich auf die im 16. Jahr-hundert entstandenen Übertragungen derLutherschenBibel (durchHans Mikkelsen von Malmö und durch Christinn Peder-sen, den Sekretär Christians II. und Herausgeber der Chronik desSaxo Grammaticus) sowie auf die Übertragungen und Nach-ahmungen deutscher Satiren, Schwanke und Schulkomödiengründete, gewann zunächst nur ganz vereinzelte Anknüpfungenan die poetischen Überlieferungen und Leistungen des dänischenMittelalters und die stammverwandten nordischen Litteraturen.Pedersens Bibelübertragung scheint in einem ähnlichen Ver-hältnis zur weitern Entwickelung der dänischen Litteratur ge-standen zu haben wie Luthers große Schöpfung zu jener derdeutschen. Christiern Pedersen (1484—1554) „war der Be-gründer der dänischen Litteratur im wahren Sinn des Worts,er war nicht nur der erste, der eine bedeutendere schriftstellerischeThätigkeit entfaltete, sondern es erhielten seine stark verbreitetenund gelesenen Schriften in mehrfacher Beziehung einen ent-schiedenen Einfluß auf die nachfolgende Litteratur. Eine derHauptaufgaben, die zu lösen waren, bestand darin, eine dänischeSchriftsprache zu schaffen, und was er dafür geleistet hat, kannkaum hoch genug angeschlagen werden. Er war sich dieser Auf-gabe und ihrer Wichtigkeit vollkommen bewußt, und es gelangihm auch, ein so reines Dänisch zu schreiben, wie man es vor ihmnicht gesehen hatte. So ebnete er für feine Nachfolger den Weg,und wenn dieser nicht stärker betreten ward, als es in der Thatgeschah, so kann man das nicht Pedersen zur Last legen. SeineSprache ist überall klar und fließend, von ungewöhnlicher Kraftund Lebhaftigkeit im Ausdruck, und nicht selten ist sie mit wahrerMeisterschaft behandelt." (Winkel Horn, „Geschichte der Littera-tur des skandinavischen Nordens von den ältesten Zeiten bis aufdie Gegenwart", Leipzig 1880, S. 134.) Jedenfalls kam dieseschon durchgebildete Schriftsprache den wenigen hervorragen-den dänischen Dichtern der zweiten Hälfte des 16. und 17.Jahrhunderts zu gute. Unter diesen Dichtern zeichnetensich aus Anders Arreboe, geboren 1587, als Theolog in