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Vierter Band
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Diderot und die Encyklopädie.

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ein Mann von Gefühl und philosophischer Bildung, obgleichfromm, lebhaft für sie; allein seine Schritte blieben erfolglos,und die Unglückliche wurde verdammt, ihr peinvolles Dasein imKloster zu beschließen. Diese Begebenheit, von welcher sich zahl-reiche andre Beispiele in den „Kirchlichen Nachrichten" der Jahre1728—60 sowie in den Memoiren jener Zeit finden, gab dieVeranlassung zu dem Roman „Ua rstiAisnss". Es war wiederumder treffliche Croismare, an den sich Diderots Nonne wendet, jenerachtungswerte Aufklärer, von welchem Madame d'Epinah in demzweiten Band ihrer „Denkwürdigkeiten" ein Bild entworfen hat,das alles im Roman über ihn Berichtete durchaus bestätigt. Nacheiner in den Kreisen der Pariser Schriftsteller und Schöngeistervielverbreiteten Anekdote hatte allerdings die Entstehung der„Nonne" auf einem gesellschaftlichen Scherz beruht: man wünschteCroismare, der auf dem Land verweilte, in die Stadt zu ziehen,und spiegelte ihm deshalb vor, daß eine Nonne seinen Schutzbegehre. Selbst wenn dies mehr als Anekdote wäre, würde manimmer annehmen müssen, daß ein Gedanke, der Diderot seitlangerZeit erfüllte, zum Scherz benutzt worden sei, nicht daß der Scherzden Anlaß zur Entstehung des Romans gegeben habe.

Die Memoiren der „Nonne" wurden um 1760 verfaßt, unddem Manuskript, von welchem lange Zeit mehrere Bruchstückeim Umlauf waren, hat vielleicht Laharpe die Idee zu seiner imJahr 1770 veröffentlichten „Melanie" entlehnt. Wie „ckaogEis ldtUiMs", wurde auch die,,Nonne" nicht bei Lebzeiten Diderotsgedruckt; beide Werke traten erst während der Revolution hervor.Doch kann man nicht sagen, daß der Roman bis zur Veröffent-lichtest eigentlich unbekannt geblieben sei. Grimms handschrift-liche „Litterarische Korrespondenz", die eben damals den Höhe-punkt ihres Ansehens und ihrer Verbreitung erreicht hatte, teiltedie „Nonne" mit; andre Abschriften gingen von Hand zu Hand,wurden gelesen und vorgelesen, und wir können kaum glauben,daß es in den litterarischen Salons jener Zeit Eingeweihtegab, denen der Roman fremd geblieben wäre.

Was das Urteil über denselben anlangt, das seiner Zeitheftig zwischen Verdammung und Bewunderung schwankte, sohat selbst der strenge Schlosser, der die Frivolität und Ober-flächlichkeit des größten Teils der französischen Litteratur hartverurteilt, sich zu einer Schutzrede für die „Nonne" („Ge-schichte des 18. Jahrhunderts", dritter Zeitraum, 2. Abfchn.,