Buch 
6 (1880) Aus einer kleinen Stadt / von Gustav Freytag
Entstehung
Seite
150
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7 .

Die Begegnung.

Wie siehst du jetzt im Frieden aus, liebe alte Stadt?Als der Friede verkündet war. hat man am Sonn-tage darauf mit drei Glocken zur Kirche geläutet, stattmit zweien; und der Pastor hat von der Kanzel denHerrn um Kraft gebeten, auf daß die Stadt den Frie-den ertrage. Än deinem Aussehen ist wenig geändert,die Mauern hat Niemand gebrochen, und die armenZunftgenossen, die mit dem Säbel an den Thorenstanden, sind auch nicht erschossen worden, nur ein bai-rischer Soldat hat beim Hinausreiten einen von derWache aus Rachsucht übel geschlagen, weil ihm das Ge-tränk der Stadt mißfiel. Straßen und Häuser stehenwie sonst, und die Menschen unterhalten sich und mühensich, sind unzufrieden und hoffen auf eine bessere Zukunftwie immer. Und wenn sie im Wirthshause bei einandersitzen, so fragen sie, ob das wirklich eine Zeit des Frie-dens sei, in der sie leben. In den Festungen liegendie Franzosen wie in der letzten Zeit des Krieges, fran-zösische Generäle regieren in der Hauptstadt, französische