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6 (1880) Aus einer kleinen Stadt / von Gustav Freytag
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das Geschütze? Horch, ein scharfes Knattern soklangen Schüsse! Da ergriff er seinen Hut und spranghinaus auf die Straße. Die Straße war leer wie intiefer Nacht, die Thüren geschlossen; er eilte an denHäusern entlang, um zu ihr durchzudrängen, die indieser Stunde ihn zitternd erwartete. Der Weg warerhellt von einem röthlichen, unheimlichen Lichte. Wieer um die Ecke bog, sah er den ganzen Himmel inHeller rother Gluth, feurige Lohe und schwarze Ruß-wolken wälzten sich in wildem Tanze über den Häuserndahin. Ein Haufe von Männern und Weibern quollihm entgegen, die Gesichter blutlos, in den Augen Wuthund Entsetzen; sie brüllten:Mord! Heraus zur Hilfe!"Viktor sprang heran auch ihm starrte das Blut inden Adern auf einem Räderkarren, den sie vorwärtszogen, lag ein Mann in dem Kleid eines Arbeiters undein halbwüchsiger Knabe, und beide waren getötet, dasgeronnene Blut klebte an Haar und Kleidern. Wiederrannte er weiter, zu dem Schrecken kam ein wüthenderZorn gegen die Bewaffneten, welche arme Leute nieder-schössen, und gegen eine Regierung, die so Furchtbares,Wahnwitziges geboten hatte.

Als er die nächste Straße erreichte, stand er ineinem geschäftigen Haufen Arbeitender zwischen umge-stürzten Wagen und ausgebrochenen Pflastersteinen, indem Dämmerlicht bewegten sich schweigend die dunkelnGestalten, fahl die Gesichter und glanzlos die Augen,gleich gespenstigen Schatten, welche der Tod aus seinemReiche heraufgesandt hat. Eine heisere Stimme rief