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6 (1880) Aus einer kleinen Stadt / von Gustav Freytag
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tagschlummer die Augen aufschlug, glaubte er noch zuträumen, denn die Schwester stand neben seinem Bette.

Der Vater schickt mich der Tante zur Hilfe," sagtedas gerührte Käthchen nach der ersten freudigen Be-grüßung.Henner hat zuerst von deiner Verwundunggeschrieben und seitdem jeden Tag von deiner Besserung."

Ich habe lange seinen Werth verkannt," antworteteder Bruder,er ist mir in schwerer Stunde ein treuerFreund geworden. Ihm verdanke ich, daß ich nicht einOpfer jener Unglücksnacht wurde."

Bei diesem Lobe des Freundes leuchteten Käthe'sAugen und eine hohe Röche zog über ihr Antlitz, sodaß der Bruder sie sorschend ansah; da beugte sie sichzu ihm herab und drückte ihr Haupt an das seine.Bistdu ihm gut?" frug er leise. Er fühlte, daß sie nickre.Und er dir."Ich glaube auch," sagte sie fast un-hörbar.

Es ist noch Jemand aus der Heimat hier," fuhrKäthe nach einer Weile murhiger fort;darf sie her-einkommen? Sie wollte mich in diesen schrecklichenWochen nicht allein lassen und sie wohm auch bei derTarne."

Valerie trat herein, und setzte sich still auf den Stuhlan seinem Lager.

Die Heilung ging nur langsam von Statten. So-bald für Viktor ein Umzug möglich wurde, bestand dieTante darauf, daß er bis zur vollständigen Genesungzu ihr ziehen sollte.

Der Stich hat mir einen guten Dienst gethan,"