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9-10 (1828) Briefe, das Studium der Theologie betreffend / J. G. v. Herder
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an: einen Heiland, einen Erlöser von Sünden,ein Reich des Friedens zwischen Gotl undden Menschen verkündigen die andern; nichtsober, als arme Windeln werden den Hirten zumZeichen gegeben, daß sie ja keinen weltlichenKönig erwarten und suchen sollen. Zacharias inseinem Lobgesange erwartet einen geistlichen Er-löser, wie sein Sohn ein Prophet, ein geistli-cher Vorbote seyn sollte. Simeon siehet ein Lichtdjb Völker zum Preise seiner Nation; aber keinenirdischen König; vielmehr liefet er in dem Schicksaldes Kindes, daß es zum Fall, zum Aerger-niß, zum Widerspruch in Israel gesetzt, sey,eben weil es auf eine so sonderbare, ungcglaubteArt das Reich Gottes verkündigen und also noth-wendig allgemeinen Widerspruch haben müßte. Hal-te man alle diese Umstände des Andruck) s sei-ner Erscheinung zusammen, bei der doch noth-wendig, wie bei einem aufgehenden Stern vomEvangelisten die Erwartung auf's höchste gespanntwerden mußte, und sehe die durchhingehende De-muth, die gehaltene stille Bescheidenheit undGeistigkeit (wenn ich so sagen darf) sowohl dj:sHelden selbst als seines Verkündigtes, selbst in derGlorie des Anfangs dieser Geschichte lese mandieses und zwinge das Samenkorn des irdischenReichs hinein! Wo fand sich Christus zum ersten-mal zu Hause? wo erwachte zuerst seine jugendlicheSeele mit ihrem Lebensplane? Im Pallast oder imTempel? Und in diesem als ein irdischer Königoder als Schüler, Lehrer, Prophet? Wie hier dieaufbrechende, noch halbgeschlossene Blüthe war.