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9-10 (1828) Briefe, das Studium der Theologie betreffend / J. G. v. Herder
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Briefe,

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Gott ist nicht ein Gott der Todten, son-dern der Lebendigen, sagt Jesus; ihm le-ben sie alle und Er, der ewige Gott des Le-bens, hat dies mit einer dem menschlichen Ge-schlecht angemessenen, immer mehr ent-wickelten Klarheit im ganzen Lauf seinerOffenbarung erwiesen. Bald nahm er, als Adamdes Todes gestorben war, den gerechten Henoch vonder Erde und zeigete den Menschen, daß er fürseine Lieblinge, also auch für den gestorbenen Adam,für den erschlagenen Abel eine Welt habe, in deres bester sey, als hier. Der im Wasser unterge-gangene erste Zeitraum scheint bei vielen Völkernden Grund zum Tartarus gelegt zu haben; undeine Versammlung der Vater, ein Reichder Seelen ist auch den einfältigsten Völkernnicht fremde. Dahin gieng Abraham, ob er gleichin einem fremden Lande begraben ward; dahin for-derte Gott von ihm seinen Liebling Jsaak ab undAbraham traute es, wie Paulus sagt, dem Herrnzu, daß er ihn daher auch wiederbekommen könnte.Die Erweckungen der Propheten sowohl, als vieleStellen in Hiob, den Psalmen u. f. zeigen eindurchgängig geglaubtes Reich der Schütten,d. i. der abgeschiedenen menschlichen Seelen; bis inden letzten Propheten, wenn auch nur in Gleich-nissen, Bildern, Tröstungen, der Begriff der Un-sterblichkeit, der Aufcrweckung , desLohns und der Strafen der Zukunft allmähligimmer klärer gemacht wird. Das Beispiel des auf-erweckten Jesu geht, wie eine Sonne, hinter demSternenheer hervor: er heißt, der Erstling, derKönig der Erweckten aus dem Todten,