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9-10 (1828) Briefe, das Studium der Theologie betreffend / J. G. v. Herder
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das Studium der Theologie betr. 461.

werden ; jedermann siehet aber, wenn er nichtSophist seyn will, den großen Unterschied zwischenbeiden Abschweifungen, in denen man entwederbloß für die Erde oder bloß für den Himmel zuleben meinet. Wir suchen ein ewig Reich: imHimmel soll unser Vaterland seyn bei Christo; hierober sollen wir uns dazu bereiten und es im Vor-schmack der Tugend selbst thätlich genießen ler-nen

Sie sehen also, mein Freund, Unsterblich-keit der Seele ist eine Hauptlehre des Christen-thums; aber nicht ihre einzige Lehre. Noch weni-ger daß es sie von philosophischen Erweisen alleinabhängen ließe, die oft zu viel und also nichts be-weisen, ob es wohl diese nicht verschmähet. AuchSie bemühen sich nach den besten derselben, inson-derheit aus den sprechenden Wahrscheinlichkeiten, dieuns das Schicksal, die Gestalt und, Be-schaffenheit des Menschengeschlechts inseiner ganzen Zweideutigkeit giebt. Reim«-"rus, Mendelsohns, Bonnets und andererSchriften hierüber sind Ihnen bekannt und sindjedermann schätzbar, der die edelste Hoffnung derMenschen - Natur liebet. Als Christ gründen Siebei und hinter allen diesem unsere Hoffnung d'erUnsterblichkeit auf kuctu, die gewissesten theuerstenkoots, Die ganze Offenbarung, jede nähere Er-weisung Gottes auch im A. T. gründet sich aufeine Fortdauer der Menschen nach dem Tode,ohne die Alles hienieden, selbst das Göttlichste inmenschlichen Seelen, ein Traum oder ein unvollen-detes, ja beinahe absichtloses Stückwerk wäre.