372 n Wissenschaftliche Ereignisse u. Charaktere
waren aber schon vorher Eins und sie entschiedenselten. Stolze oder listige Männer entscheiden beyDisputationen; Ehrenstellen, Reichthümer, Affektendrücken das Siegel auf ihr Videtur. Trotz allerBemühungen, die sich der Preußische, Braunschwei-gische, Hessische und andre Höfe gaben, blieben diePartheyen gesondert.
Und was vereinigt denn Religionspartheycn?Einzig und allein Zeit und Wahrheit. Wasdie zusammenfügte, muß sie auch auflösen; und siethuts. Was sie baute muß durch sie auch verwil-. jtern. Satzungen, Gebräuche, Sagen, Legenden,Traditionen u, f., die auf der Lokalität alter Zeit-umstände beruhen, verlieren mit ihr die Farbe;wenn inneres Leben sie nicht halt, verwelken sie,und welken desto eher, je stärker die Sonne derWahrheit brennet und leuchtet. Alles hat seineEpochen und Lebensalter; Satzungen, Meynungen,Gebräuche allein sollten sie nicht haben? Gewis-senhaftigkeit, die einzig-wahre Religion, sie ist,wo sie ist, in allen Herzen dieselbe; weder erfochtenwird sie, noch will sie erfechten. Gewohnheit, Ehre,Vortheile, die Lokalität können ein Unwesentlichesoder gar Falsches lange begünstigen und festhalten;zuletzt aber kommt ihm doch sein jüngster Tag,wie «in Dieb in der Nacht, wie der Blitz, wie «inFallstrick.
Mit dem Verfolg des Jahrhunderts hat mansich also billig der Mühe a usserer Vereinigungendurch Disputiren oder durch Machtgcbote überhoben;
«in Inneres vereinet die Menschen zwar langsam,