Band 
[Adrastea I & II.]
Seite
176
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r?6 l. Unternehmungen d. vcrgang. Jahrhunderts

vielvermögende Männer wählet. Jene, hoffe ich,bildet sie aus: denn sie führet ja die sicherstenWerkzeuge der Richtigkeit als Symbole; diese brauchtsie mit der Macht einer Gesellschaft in vervielfachterKraft.

Linda. Allerdings vermag eine Gesellschafttausendfach mehr, als zerstreute Einzelne, auch bei^e: edelsten Wirksamkeit zu thun vermögen. Dieseverlieren sich, wie der getheilte Rhein, zuletzt imSande; oder sie singen, wie die klagende Nachtigall,einsam.

Faust. Jene unterstützen einander und durchsich andre; sie wirken nicht nur durch vereinte, son-dern auch mit Fortwirken in die Ferne des Raumesund der Zeiten durch eine beschleunigte, vermehrteKraft. Eine Gesellschaft ist unsterblich; siedenkt und wirkt für die Nachwelt, der sie ihre Be-mühungen zum Erbtheil überlaßt; ein Erbtheil zumVermehren, ein Anfang zum Vollenden. Wundernwir uns noch, Linda, daß die Gesellschaft sich unterein Geheimniß verberge?

Linda. Das Geheimniß spricht sich selbst aus,stillschweigend; anders muß es sich nicht aussprechenwollen. Wer wird hervortreten und sagen: „Ichbin ein Vorsorger, ein Pfleger der Menschheit."Höchstens wird er sagen: „ich wünsche es zu seyn,ich strebe darnach, es zu werden." Und da sagt meinKlopstock: „ein Mann sagt nicht, was er thunwill, noch weniger was er gethan hat; er thut undschweiget."

Faust. Das bescheidne: „Ich bin ein Mensch;nichts Menschliches ist mir fremde" wäre also derSpruch der Gesellschaft.

Linda.