s3o II. Briefe zu Beförderung
Angenehme GefühleUnd mein Genius reißenAllgewaltig mich zu euch,
Ketten ewig an EurenSiegeswagea mich an.
Fast immer tönet diese Stimme um mein Ohr,wenn ich Friedrichs Schriften lese. Man wandeltin ihnen wie auf klastischem Boden; ein Gefühl fürdie Würde, den Werth, die Schönheit der Wissen-schaften ist in seine kleinsten und grvßesten Aufsätze«erbrütet.
Insonderheit lebt sein Geist in einer gewissenReihe erwählter größerer Seelen, dieer, meistens aus dem Alterthum, sich zu Lieblings-namen seiner Phantasie, zu Vorbildern, an denener gern verweilet, auscrsehn hatte. In Handlun-gen des Krieges und des Friedens, in Geschäftender Regierung, und in Beziehungen der Mensch-heit kommen sie ihm oft wieder, als alte Lehrer undFreunde; so wie es denn bekannt ist, daß er nurwenige Schriftsteller, diese aber immer von neuemlas und in seine Gedanken prägte. Nach gewissenJahren wollte ihm das Neue nicht mehr genug thun;er fand eine Spitzfindigkeit oder einen mathematischenCalcul in Schriften, wohin diese nicht gehörte. Diealten großen Formen weniger Hauptgedanken lagenin ihm, von denen er sich ungern trennen mochte.In Sachen des Vertrags sah er Voltaire als dieletzte Stütze des Geschmacks an, der unter LudwigXlV. gewesen war, und unter Ludwig XV. u. XVI.freilich nicht mehr seyn konnte. Dagegen sieht er