der Humanität. 337
Schriften der Alten, unterwiesen; sein ernster Vater,der mühsame Versuch hat ihn erzogen, und durchdie Vorbilder der würdigsten , größten Männer gereiftund gestärket. Er ist kein Kind mehr, wiewohl erbei jeder neuen Begebenheit ein Kind scheinet; alleErfahrungen voriger Zeiten sind in seine Seele ge-drückt, sind auf seine Glieder verbreitet.
„Wohin will er?" Wohin er kommen kann.Er hat aus den vorigen Zeiten gesammlel, sammletaus den jetzigen , und dringt in die folgenden Zeiten.Seine Macht ist groß, aber unsichtbar; der Ver-ständige bemerkt und nutzt sie; dem Unweisen wirdsie, meistens zu spat, nur in erfolgten Wirkungenglaubhaft.
„Muß der Geist der Zeit herrschen oder die-nen ?" Er muß beides an Stelle und Ort. DerWeise giebt ihm nach, um zu rechter Zeit ihn zulenken; wozu aber eine sehr behutsame, sichre Handgehöret. Indessen wird er offenbar gelenkt; nichtvon der Menge, sondern von wenigen, tiefer alsandre blickenden, standhaften und glücklichen Geistern.Oft leben und wirken diese in der größesten Stille;aber Einer ihrer Gedanken, den der Geist der Zei-ten auffaßt, bringt ein ganzes Chaos der Dinge zurWohlgestalt und Ordnung. Glücklich sind Die, de-nen die Vorsehung solch einen erhabnen Platz gab,in welchem Stande sie auch leben; selten wird dieserPlatz durch Mühe erstrebt, selten durch lautes Ge-räusch angekündigt, meistens nur in Folgen bemerkt;oft müssen die großen Lenker auch viel wagen, vielleiden.
Herders Werke z.Phrl. u. Gesch. X. P