336 II. Driefe zu Beförderung
der Zeit anwenden. Wir stehen alle unter seinemGebiet bald thätig, bald leidend.
„Ist er ein Schall der Aeolsharfe? ein Lufthauchder Mode?" Die flüchtige Mode ist seine unachteSchwester; er ist ihr nicht gewogen, lernt aber auchvon ihr, und hat mit ihr zuweilen lehrreichen Um-gang. Desto entschiedner hasset er seinen wahrenFeind und Vecläumder, den Geist des Aufruhrs, derZwietracht, den unreinen, abgeschmackten Pöbelsinnund Wahnsinn. Wo dieser sich hören laßt, in wel-chen Gesellschaften und Kreisen er ihn auch nur ver-muthet, fliehet er vor ihm und verachtet selbst dieLehre aus seinem Munde. Die Stimme des geläu-terten Zeitgeistes ist verständig, überredend, sanft,freundlich. Bald lässet sie sich wie ein Laut aus derAeolsharfe hören; bald tönt sie in vollen Chören.Der geläuterte Geist der Zeiten (möchte ich mit jenemalten Buche sagen,) ist „heilig, einig, mannigfaltig,„scharf und behende, rein und klar, ernst und frei,„wohlthätig, leutselig, fest, gewiß, sicher. Er ver-„mag alles, siehet alles, und gehet durch alle Gei-ser, wie verständig, lauter und scharf sie sind."
„Woher kommt er?" Wie sein Name sagt,aus dem Schoos der Zeiten. Der menschlichen Natureinwohnend hattet ihn einst in unserm rauheren Kli-ma die Pfäfferei und der wilde Kriegsgeist lange un-terdrückt gehalten; sie schlössen ihn ein in Höhlen,Thürme, Schlösser und Klöster. Er entkam; dieReformation machte ihn frei; Künste und Wissen-schaften, am meisten aber die Buchdruckern gabenihm Flügel. Seine ernste Mutter , die selbst den-ken d^e Philosophie hat ihn, zumal an den
Schrif-