Band 
[Adrastea I & II.]
Seite
346
JPEG-Download
 

346 II. Briefe zu Beförderung

besser, ich lasse den Gesunden ohn alles Gesetz essenund trinken, was und wieviel er will ; dem Krankengebe ich Maas und Gesetze, wieviel er kann, daßer dem Gesunden nicht nachmüße.

Nun ist die Welt ein krank Ding und eben ei»solcher Pelz, da Haut und Haar nicht gut an ist.Die gesunden Helden sind selten und Gott giebt sietheuer, und muß doch regiert seyn, wo Menschennicht sollen wilde Thiere werden. Darum bleibts inder Welt gemeiniglich eitel Flickwerk und Bettelei;und ist ein rechter Spital, da es beide Fürsten undHerrn und allen Regierenden fehlet an Weisheit undMuth, d. i. an Glück und Gottes Treiben, wie denKranken an Kraft und Starke. Darum muß manhie flicken und pletzen, sich behelfen aus den Buchsta-ben oder Büchern, mit der Helden Recht, mitSprüchen und Exempeln; und müssen also der stum-men Meister (d. i. der Bücher) Schüler seyn undbleiben. Und 'machens doch nimmermehr so gut, alsdaselbst geschrieben stehet; sondern kriechen hienachund halten uns dran als an den Banken oder Stecken,folgen auch daneben dem Rath der Besten, so mituns leben; bis die Zeit kommt, daß Gott wieder ei-nen gesunden Helden oder Wundermann giebt, unterdessen Hand alles besser gehet, oder ja so gut, alsin keinem Buch stehet, der das Recht entweder än-dert oder also meistert, daß es im Lande alles grü-net und blühet, mit Friede, Zucht, Schutz, Strafe,daß es ein gesund Regiment heißen mag; und den-noch daneben bei seinem Leben aufs höchste gefürch-tet, gechret, geliebt und nach seinem Tod ewiglichtzerühmct wird. Und Wenns ein Kranker oder Un-