35o II. Briefe zu Beförderung
Habens für ein menschlich Glück und That gehalten,)die haben frisch darein gegriffen, und nicht alleinbillig, sondern auch löblich gehalten, unnütze, böseObrigkeit abzusetzen, zu morden und zu verjagen.Es ist aber dahinten eine böse Folge oder Exempel,daß, wo es gebilligt wird, Tyrannen zu morden oderzu verjagen, reißt es bald ein , und wird ein ge-meiner Muthwille daraus, daß man Tyrannen schilt,die nicht Tyrannen sind, und sie ermordet, wie eSdem Pöbel in Sinn kommt; als uns die römischenHistorien wohl zeigen, da sie manchen feinen Kaisertodtsten, allein darum, daß er ihnen nicht gefiel,oder nicht ihren Willen thät und ließ sie Herren seyn.Man darf dem Pöbel nicht viel pfeifen, er tolletsonst gern; und ist billiger, demselben zehn Ellenabbrechen, denn Eine Hand breit, ja eines Fingersbreit einräumen in solchem Fall: Denn der Pöbelhat und weiß keine Maaße, und steckt in einem jeg-lichen mehr denn fünf Tyrannen. Die Racheist mein, sagt Gott, ich will vergelten!Ein böser Tyrann ist leidlicher, dann ein böser Krieg ;welches du mußt billigen, wenn du deine eigne Ver-nunft und Erfahrung fragst. Gott laßt einen Bubenregieren um des Volks Sünde willen. Gar fein kön-nen wir sehen, das ein Bube regiert; aber das willniemand sehen, daß er um des Volks Sünde willenregieret. Laß dich nicht irren, daß die Obrigkeitböse ist, es liegt ihr,die Strafe und Unglück näher,denn du begehren möchtest.
— „Obrigkeit andern und Obrigkeit bessern,sind zwei Dinge, so weit von einander als Himmelund Erde. Aendern mag leichtlich geschehen; bessern