34 Briefe zu Beförderung
len gesucht, der Garten des gemeinen Bestens vonallen gebauet werden. Am großen Schleier derMinerva sollen alle Völker,, jedes auf seiner Stelle,ohne Beeinträchtigung, ohne stolze Zwietracht wirken."
Den Deutschen ists also keine Schande, daß sievon andern Nationen, alten und neuen, lernen. Dasalte Vernunfttestament, wie der Autor die Weisheitder Griechen nennt, ist gewiß nicht verjährt, nochdurch die Weisheit der Neuern unkräftig gemachtworden.
So darf sich auch kein Volk buropa's vom an-dern abschließen, und thöricht sagen: „bei mir al-lein, bei mir wohnt alle Weisheit." Der mensch-liche Verstand ist wie die große Weltseclc; sie erfülltalle Gefäße, die sie aufzunehmen vermögen; belebend,ja selbst neuorganisirend dringt sie aus allen in alleKörper.
Hätte Realis nöthig gehabt, den Deutschenso oft unzeitige Geduld, ja Niederträchtigkeit Schuldzu geben, wenn die Großmuth, die er zu ihrem Bor-zuge machen will, ihr eigenster Charakter wäre?Kann Jahrhunderte lang ein Volk seinen Cbargklerdergestalt verkennen, daß es beinah immer im entge-gengesetzten handelt *) ? Lastet uns nicht sagen;„Hindernisse haben ihn unterdrückt." Im weilen
*) Man müßte etwa sage», daß daß zum reinstenGlauben an Einen Gott bestimmte Bett einst auchtausend Jahre seine Rolle bald alle zwanzig Jahrevergessen, bis es dieselbe einmal für immer ersaht.
M. .