5§. Briefe zu Beförderung
Kind an sich hatte, als Fenelon zu ihm kam, wer-den auch in dieser Geschichte nicht verschwiegen. Le-sen Sie nun, wie Fenelon sich dabei benahm, undwas für einen vortrefflichen, nicht nur hoffnungs-sondern wirklich fruchtreichen Charakter er aus demPrinzen gebildet; und ein süßes Erstaunen wirdSie ergreifen. Sie sehen hier den Prinzen einge-schmeichelt, in seinem ganzen Leben und Wesen,bei Hose, im Felde, im Cabinet, zu Hause, ge-gen den König, gegen seine Gemahlin, gegen Hof-leute, Erzieher, Lehrer, Hausgenossen handeln.Handeln; nicht nur sprechen oder denken. Undallenthalben ist er sich gleich; allenthalben bleibt erdie edle, standhafte, in größester Stille wirkendeSeele. Es ist, als ob Fenelons Geist ihn nicht um-schwebe, sondern erfüllt habe; Fenelons Denkartist in die seinige verwebet.
Sage nun jemand, daß Erziehung, wenn sierechter Art ist, nichts fruchte! Der Mensch ist;aalles durch Erziehung; oder vielmehr er wirds,bls ans Ende seines Lebens. Nur kommt es dar-aus an, wie er erzogen werde? Bildung der Denk-art, der Gesinnungen und Sitten ist die einzigeErziehung, die diesen Namen verdient, nicht Unter-richt, nicht Lehre. Und wohl dem Prinzen, demein Fenelon zum Erzieher ward! Wohl jedem Er-zieher, dem Fenelon zum Muster dienet!
Sage jemand, daß bei Prinzen keine Erhebungmöglich sey. Am Hofe Ludwigs XI V., des eigen-sinnigsten Königs« mitten unter Schmeicheleien,Verderbnissen und Verführungen der Zeit, an einemKinde von auffahrendem, gebieterischem, geburtsl