Band 
Adrastea III. Schluss der Briefe zu Beförderung der Humanität.
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der Humanität. 146

Stände eine völlig fremde Sprache angenommen,eine fremde Erziehung und Lebensweise beliebt ha-ben. In dieser fremden Sprache sind seit einemJahrhunderte unter den genannten Standen die Ge-sellschaftsgespräche geführt, Staats - Unterhandlun-gen und Liebeshandel getrieben, öffentliche und ver-traute Briefe gewechselt worden, so daß wer einigeZeilen schreiben konnte, solche nothwendig vormalsitalienisch, nachher französisch schreiben mußte. Mitwem man Deutsch sprach, der war ein Knecht, einDiener. Dadurch also hat die deutsche Sprachenicht nur den wichtigsten Theil ihres Publikumsverloren, sondern die Stände selbst haben sich derge-stalt in ihrer Denkart entzweiet, daß ihnen gleich-sam ein zutrauliches gemeinschaftlichesOrgan ihrer innigsten Gefühle fehlet.Beide sind auf ihrem getrennten Wege nicht so weitfortgeschritten, als sie in Wirkung und Gegenwir-kung auf einander hatten kommen mögen, indemder Eine Theil meistens an Phrasen, an Wortenohne Gegenstand, leer von innerer Bildung hangenbleiben mußte; dem andern hingegen bei aller Mühedes Fortstcebens ewig und immer eine Mauer ent-gegengestellt war, an welcher leere Schälle zurück-prallten. Ohne eine gemeinschaftliche Landes- undMuttersprache, in der alle Stande als SprossenEines Baumes erzogen werden, giebt es keinwahres Verständniß der Gemüther,keine gemeinsame patriotische Bildung,keine innige Mit- und AusaMMen-empfindung, kein vaterländischesPublikum mehr. Entweder bequemt man sichHerders Werke z. Phil, u, Eiesch. XI, K Ill»