170 Briefe zu Beförderung
mit ihm abrechnen; sein Buch ist nie geschlossen,der Prozeß vor und mit ihm wird nie beendet; eslernt immer, und kommt nie zum letzten Resultat.
Man hat diesem Ewig-unmündigen Bormündersetzen wollen, die Censoren; aber, wie die Er-fahrung gezeigt hat, mit fruchtloser Mühe und mei-stens mit dem tvidrigsten Erfolg. Der Unmündigekostet am liebsten, was man ihm versagte; er su-chet auf, was'man ihm Hinterhalten wollte; dasWerbet eines Vertrages an dies Publikum ist geradedas Mittel, selbst einem unnützen Wort, Ansehen,Gewicht und Aufmerksamkeit zu geben. Und wel-cher bescheidne Mann wird ein Bormund des ge-stimmten Menschenverstandes, des Publikumsaller Zeiten und Lander zu seyn wagen? Laßjeden Weisen und Thoren schreiben nach feiner Wei-se, wenn er in zweifelhaften Fallen nursich nennet, und niemand persönlichbeleidiget.
Es sey mir erlaubt, mich hierüber zu erklären.Der weiseste Censor, wenn er auch die Stimme ei-nes ganzen, ja des aufgeklärtesten Staates vorstelltkann in Dem, was Lehre und Meynung betrifft,schwerlich die Stimme des Publikums, der sich einSchriftsteller freiwillig unterwirft, auf- oder überwie-gen wollen. Wenn sein Urtheil auch die WeisheitSaloms's wäre, wenn es die Klugheit aller vergan-genen Jahrhunderte enthielte, und dem geprüftenVerstände einer großen Zukunft vorcilte: so fehltihm doch Eins, die Legitimation hie zu: dennweder die Bor- noch Nachwelt hat ihn darüber be-.urkundet. Der Schriftsteller wird also gegen ihn im-