Seine Verschwendungssucht, nicht gesättigt, dieFinanzen des Staats erschöpft zu haben, griff sogar dasVerdienst selbst an; die Feilbietung der Ehrenstelleumachte den Triumph der Frechheit und des Lasters voll-kommen. Das Vergnügen seiner Lieblinge hatte bey ihmgrößern Werth, als die Zerrüttung des Staats, undder Ruin des Vaterlandes mehr, als seine eigeneSchande. Grenzenlos und kalt waren seine Wohlthaten,und wen er überhäufte, den zwang er zum Undank,und dem gab er eine so zahllose Menge Neider mit, alser Unterthanen hatte. Seine Liebe zur Ruhe war in sofern absichtlich, als er die Protestanten, denen er unterKarln einen tödtlichen Krieg geschworen hatte, durchFrieden morden wollte. Aber mit dieser Ruhe war zu-gleich die geschäftige Unruhe der Gnisen erstickt. IhrWiderstand schreckte Heinrich, und er mußte die Waffenwider die Protestanten ergreifen — eine Lage, die ihnmit seinen eigenen Gefühlen veruneinigte. Da ein na-türlicher Haß gegen die Protestanten den Krieg zu ver-ewigen, sein Hang zur Ruhe ihn abzukürzen wünschte,so war er gezwungen, sich wider die Guisen und Liguistenzu erklären, und von seiner Hauptstadt verjagt, einenFrieden zu schließen, der ihn in neue Unruhen stürzte.Verzweiflungsvoll griff er nach einem Mittel, dessenWirksamkeit er nicht überleben konnte.
Seine Religion war pfaffische Mystik, voll Heu-cheley und Affektation, verbunden mit einer Achtungund einem Zutrauen für die Mönche, die beynahe anVerehrung grenzte, und doch war es ein Mönch, derihn meuchelmörderisch erstach.
Kein