52 Einleitung.
Plünderungen. Sie bestrichen vom Norden aus dieKüsten von England, Frankreich, Spanien , undItalien , und gierigen nie eher wieder in ihre Heimachzurück, als nachdem sie blühende Städte geplündert,und reiche Klöster zerstöret hatten. Doch wurden auchnach und nach diese wilden Räuberhorden durch ver-änderte Verhältnisse an ordentliche Staatsverfassungengewöhnt, und am Ende durch Vermischungen mit christ-lichen Völkern selbst zu Christen gemacht.
Ob bey allen diesen Bekehrungen für die Völker ir-gend ein besonderer Nutzen, oder überhaupt auch fürdas Christenthum ein grosser Gewinn sich zeigte, isteine Frage, die, wenn man unpartheyisch und ohneVorurlheile zu Werke geht, verneinend entschieden wer-den muß. So, wie zu jener Zeit, die christliche Re-ligion im Grunde nicht viel besser als Heidenthumwar, konnte sie auch die rohen und barbarischen Sit.ten der Völker, welche das nördliche Europa bewohn-ten , nicht veredeln. In dem Mittelalter bestich,id ge-meiniglich das ganze Bekehrungsgeschafte der Missio-narien in dem Taufen; und so wenig auch die Barba-ren irgend eines Unterrichts in Dogmatick und Moralfähig waren , so wenig wären auch erstere im Standegewesen, einen solchen zu ertheilen. Ganz andere Mit-tel , als die Kraft des göttlichen Wortes, waren alsonöthig, barbarische Nazionen umzubilden. Es mußtenerst Ströhme Bluts vergossen, und der Hang nachunstätem, und herumstreifendem Leben mit dem Ge-schmacke an geschäftlichen Verbindungen und Vorthei-len verwechselt werden, ehe solche Völker irgend einerKultur fähig werden konnten. Und wie viele Jahr-hunderte waren nicht erst nöthig , diese, nachdemsie schon durch die Gewalt der Waffen oder durch an-dere Revoluzionen unterjocht waren, auf einen solchenGrad von 'Ausbildung zu bringen, um mit Recht denNamen gesitteter Völker zu verdienen l