Zweytes Buch. st
sich das Christenthum bey den übrigen europäischenVölkern aus. Die meisten Lander stuhnden entwedermit den Griechen oder Byzantinern in Handelsverskehr, oder wurden von ihnen bekrieget. Beydes konn-te nicht geschehen, ohne mit ihren Sitten und mit ih-rer Religion bekannt zu werden. Erst mit dem neun-ten Jahrhunderte verbreitete sich bey den Bulgaren,Mahren und Böhmen, und zu Ende des zehntenbey den Russen das Christenthum aus. Gemeiniglichersetzte politisches Interesse den Abgang der Bekehrungs-apostel, die auch bey so rohen und barbarischen Völ-kern , als die Slaven waren, sicherlich nichts aus-gerichtet hätten. Sobald aber einmal die Anführer sol-cher Horden im Ernste daran dachten, sich nach undnach in den Rang mächtiger Monarchen zu erschwinggen, so mußten sie, um ihres Zwecks sicher zu seyn,Mit benachbarten kultivierten Völkern in Bündnisse wet-ten , und mit diesen ihre Gesetze, ihre Aufklärung,und nach und nach ihre Religion annehmen.
Eben so viele, und in gewissen Rücksichten noch weitgrössere Vortheile hatte aber der Muhammedanismusvor dem Christenthume voraus. Bald wurde» die Grie-chen von den Arabern in Kenntnissen und Kultur über-troffen. Die Religion der letztem war bey weitem ver«nünftiger, als das Christenthum, wie es nämlich zuderselben Feit beschaffen war. Ihr Handel und ihreSprache drangen weiter, als Handel und Spracheder Griechen. Alle diese Umstände begünstigten dieAusbreitung des Muhammedanismus auf eine ganzvorzügliche Weise, und es war den Griechen nicht mehrmöglich, den schnellen Schritten desselben Einhaltzu thun.
Die Christen hakten es auch Noch von einet andernSeite mit mächtigen und furchtbaren Feinden zu thun.Die Lftormamrcr, ein wildes und unbändiges Räu-bervolk, beschäftigten sich lange mit nichts, als mit