Band 
Erster Band.
Seite
70
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70 Einleitung.

den Grafen und Herzogen herrschte, die sich wechselsei-tig beraubten und plünderten, und de veraüderlichenSchicksale, welche ihre Räubereien und ihre hcrrschfüch-tigen Versuche nach Unabhängigkeit hatten, setzten dierömischen Päbste beständigen Abwechslungen von Glückund Unglück aus. Was ihnen unter der Herrschaft dereinen Faktion gelang, verunglückte ihnen wieder unterdem Despotismus der andern.

So wenig Italien zu dieser Zeit der Ort war, derdem System der Unabhängigkeit , nach welchem diePäbste strebten, hatte günstig seyn können; so befandsich noch weniger Frankreich in der Lage, ein solchesSystem zu befestigen. Die nach dem Absterben derKarolinger erfolgte Revoluzion hatte die Lehensverfas-sung eingeführt, und mit dieser dem Etaatswesen eineganz neue Gestalt gegeben. Alles wurde in Frankreichvom Soldatenstande unterdrückt, und alles wurde, umungestraft unterdrücken zu können, Soldat. Die erstenKönige aus dem Capetischen Stamme waren viel zuohnmächtig, um dem gewaltthätigen Raubgeiste ih-rer mächtigen Vasallen Emhalt zu thun. Jedes La-ster und sede Gewaltthat schien ihnen zum Bedürfnissegeworden zu seyn. Unter einer solchen Staatsverfas-sung musste natürlich die christliche Kirche in der drü-kendsten Sklaverei) schmachten. Die Bischöfe, verführtdurch das Beyspiel der weltlichen Grossen, liessen sichin dem Strome des allgemeinen Verderbens fortreisscn,und veränderten ihren Hirtenberuf mit der Gewalt be-deutender Staatsbeamten. Lebten die ersten Hierarchenin Wollust, Ueppigkeit und im Geräusche der Waffen;so war dek Lebenswandel ihrer Untergebenen um nichtsbesser beschaffen. Von dem, was Lark der Grossezur Widerherstellung der Wissenschaften und zur Be-förderung der Kirchenzucht gethan hatte, war nun nichteinmal ein Schatten mehr vorhanden.

Die Päbste, welche wahrend den Unruhen in Ira-