Band 
Erster Band.
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87
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Zweytes Buch. 87

aber der Furchtsamkeit des Kaisers, um ihn noch tieferzu demüthigen. Vergebens flehte Heinrich bey derMaitresse des Pabstes, der Gräfinn Mathilde, sichfür ihn zu verwenden. Der unbändige und stolzeSkatt-halter Gottes machte die schimpflichste Demüthigungzur Bedingung seiner Gnade. Er federte von demKaiser, daß er, um vorgelassen zu werden, die Kroneund alle Jnstgnien des Kaiserthums ablegen, nnd sichderselben für die Zukunft unwürdig erklären sollte. Al-lerdings unbegreiflich wäre es, daß sich Heinrich eineso unbillige Foderung gefallen ließ, wenn er nicht inRücksicht, daß der Kirchenbann, von welchem er,was es auch kosten möchte, frey seyn wollte, durchden Aberglauben äusserst furchtbar geworden, Entschul-digung verdiente. Er gicng also nach Eanosia, wosich der Pabst aus Furcht, von den Langobarden beun-ruhiget zu werden, eingeschlossen hatte, und erwarte-te vor dem äussersten Thore des Schlosses die Verhal-tungsbefehle desselben. Das Thor wurde geöfnet, undHeinrich mußte, um eimretten zu dürfen, alle seineBediente zurücklassen. Ob sich ausser ihm ein ande-rer Souverain so weit weggeworfen hätte, läßt sichbillig bezweifeln. Denn es war gerade soviel, als ober sich mit gebundenen Händen einem Sieger übergebenhatte, um in einer Festung, die für unüberwindlichgehalten wurde, für sein übriges Leben als Gefangenereingeschlossen zu werden. Allein der Kaiser schien indiesem Augenblick nur an die Schrecken des Banns,und nicht an das gedacht zu haben , was er als Kaiserhätte thun können. Er wurde vom erstem zum zweytenThore gebracht, wo er alle kaiserliche Jnstgnien vonsich legen, in einen rauhen Bußsack schlüpfen , dreyTage hintereinander mit blossen Füssen in der strengstenKalte stehen , fasten, und vom Morgen bis zum AbendGott und den Pabst um Barmherzigkeit anflehen mußte.Es war für ein.so ifteches und stolzes Gemüth als Hil-