86 Einleitung.
Sachsen und übrigen deutschen Fürsten gegen den Kai-ser. Dieser befand sich in der mißlichsten Lage. Vonder einen Seite mit einer förmlichen Absetzung, wo-mit die deutschen Stande auf einer zu Ulm veranstal-teten Zusammenkunft bereits umgiengen, und von derandern mit dem Aufstande seiner verhetzten Untertha-nen bedroht. wußte er in der Verlegenheit nicht, wieseine Ehre und sein Ansehn noch gerettet werden könnten.Die wenigen Truppen, die ihm noch treu geblieben,waren weit zu schwach, um sich mit Gewalt seinenüberlegenen Gegnern widersetzen zu können. Ausserdemschienen aber auch die Federungen der Reichsstande nachden damaligen Zeilbegriffen nicht von der Art zu seyn,daß er dieselben, ohne das Uebel arger zu machen,so leicht mit gewäfneter Hand von sich ablehnen könn-te. Denn sie verlangten, als er mit ihnen in fried-liche Unterhandlungen trat, daß er sich vorerst umdie Loslassung vom Kirchenbanne bewerben, inzwischenaber, bis diese erfolgte, als blosser Privatmann leben,und alle Zeichen der kaiserlichen Würde von sich able-gen sollte.
So hart diese Foderungen waren, so schien für denunglücklichen Kaiser unter solchen Umständen doch nurder emzige Weg noch offen, den Pabst um die Loslas-fung vom Baun anzusprechen. Er gieng also mit einemarmseligen Gefolge in der strengsten Kalte über die Al-pen. Bey seiner Ankunft in Italien tratten beynahealle lombardischen Fürsten auf seine Seite, und ver-schallen ihm Gelegenheit, an der Spitze eines zahlrei-chen Kriegsheeres mit dem Pabste in dem Tone einesGesetzgebers zu sprechen. Wein Heinrich war zu furcht-sam und zu abergläubisch. Er verwarf die gutgemein-ten Antrage der Langobarden, und wollte lieber inder demüthigen Gestalt eines Sünders, als in demGlänze eines Helden vor den Augen des hochmüthigenKnechts der Knechte erscheinen. Dieser bediente sich