Band 
Erster Band.
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Zweytes Buch. 95

oder weniger Antheil nahm, so war doch dieser zu kei-nen Zeiten so allgemein, als bey dem Bilderkriege.Denn eigentlich das Volk, dessen Sinnlichk.'it dabeyintereßiret war, spielte in der ganzen Sache den Mei-ster , und die hohe Priesterschaft bediente sich desselbennur, ihre eigene Privatvorcheile zu befördern.

Der Bilderdienst war schon im fünften Jahrhundertebekannt. Man harte, nach ganz unschuldigen Begrif-fen, den Bildern der Märtyrer, vornamlich aber denBildern Jesu und Maria ausserordentliche Hochachtungbewiesen. Dieser Gewohnheit gab die Ketzerey desjJcftorius, welcher der Maria den Titel einer Got-tesgebahrerinn streitig machte, einen ungewöhnlichenSchwung. Seine Gegner beförderten, während derEahrung, in welche die Kirche durch seine Meynungversetzt wurde, den Dienst der Maria mit aller fana-tischen Wuth. Die Mönche hatten dabey noch einbesonderes Interesse, die Verehrung der Bilder zu be-fördern. Sie verfertigten Gemählde von Heiligen, undverschaften sich durch ihre Verhandlung einen reichenGewinn. Um den Bildertand noch mehr in Aufnahmezubringen, suchte man dem Volksglauben, als nähmennach dem Tode die Heiligen an den Anliegenheiten derMenschen noch stets Antheil, immer mehr Nahrung zngeben; und solcher Gestalt gewöhnte man sich nach undnach an die Idee, daß die Heiligen durch die Hochach-tung, die man gegen ihre Bilder bewies, gewissermaas-fen selbst geehrt würden. Alle dieß war im Grundenoch sehr unschuldig, und in der Rücksicht, daß durchden Anblick solcher Abbildungen wohlverdienter Heiligenfromme Entschlüsse erregt wurden, immer sehr lobens-werth. Allein bald artete die blosse Ehrfurcht und dasAngedenken an die Verdienste solcher ausgezeichnetenReligionshelden in wahre Abgötterey aus.

Kaiser Leo, der Jsaurier, war der erste, welchersich den Mißbräuchen des Bilderdienstes widersetzte.