95 Einleitung.
Er befahl, die Gemälde und Statuen in den Kirchen sohoch aufzustellen, daß sie das Volk, um dieselben zu be-tasten, und auf andere sinnliche Weise zu verehren,nicht mehr erreichen konnte. Germanus, damaligerPatriarch zu Lonstanrinopcl, fand den kaiserlichenBefehl ruchlos, und weigerte sich mit einem unbändi-gen Troz, zu gehorchen. Der römische Bischof, Gre-gor li. gieng noch weiter. Er exkommunizierte denKaiser, hetzte die Italiener auf, die Waffen gegen ihnzu ergreifen, und verbot ihnen, Tribut an ihren Ober-herrn zu bezahlen. Mit einer Raserey, deren nurfanatische Köpfe fähig sind, brach auf Gregors undder Mönche Anstiften eine gewaltsame Rebellion in Ita-lien aus, und jeder schien nur für die Ehre der Bil-der und des Pabstes, der sie in Schutz genommen, zufechten. Allgemein schrie man von der Nothwendig-keit, den Kaiser abzusetzen. Vergebens suchten Ephi-larat, Herzog von Neapel, und sein Sohn Adriandie Rebellen zu besänftigen. Sie wurden beyde von die-sen todtgeschlagen. Leo ließ sich durch die Empörungnicht irre machen. Er entsetzte den Germanus seinesPatriarchats, und ließ nun die Bilder, die er in fei-ner ersten Verordnung noch schonte, gänzlich vertilgen.
Allerdings gieng der Kaiser in seinem Eifer gegenden Bilderdienst zu weit. Es hatte, vielleicht nochauf eine weniger gewaltsame Weise, der Mißbrauchdesselben gehemmet werden können. Es liegt in derNatur des Menschen, die Abbildungen solcher Gegen-stände, die für ihn irgend ein Interesse haben, gernevor Augen zu sehen; und es wäre eine Grausamkeit,an die bisher glücklicher Weise noch kein einziger De-spot gedacht hat, einer Gattinn das gemahlte Bild ih-res verstorbenen Gatten, einer Braut das Portraitihres Geliebten, oder einem Gelehrten die Abbildungeines ihm vorzüglich werthen und berühmten Manneszu rauben. Vomämlich waren historische Gemählde
aus