Drittes Buch. uz
heiligen Krieges auf die Vertilgung der Feinde deschristlichen Namens zielte, so erschlugen sie in denRheingegenden, wo sie sich sammelten,'alle Juden,die ihnen in den Weg kamen. Diese unglücklichen Men-schen verschlossen sich, um den mordsüchtigen Handender Kreuzfahrer zu entrinnen-, in ihre Häuser, und er-würgten sich einander selbst. Mütter schnitten ihre«Säuglingen die Hälse ab, und Männer und Näter er-mordeten ihre Weiber und Kinder. Da das ganze Un-ternehmen ein Werk des Unsinns, ohne Plan und Ue-berlegung war, so hatte man an nichts gedacht, waszur Eröfnung eines Feldzuges und zur Fortsetzung ei-nes so beschwerlichen und weiten Marsches nöthig war.Die Kreuzkrieger raubten also auf ihren Zügen , undschlugen jeden todt, der ihnen nicht gutwillig gab-was sie nöthig hatten. Wider ein so mörderischesRaubgesindel verbanden sich die Völker endlich zur ge-meinschaftlichen Vertheidigung, überfielen ihre Freybeu-ter, und schwächten in verschiedenen blutigen Nieder-lagen ihren Heershaufen so sehr, daß der Eremitenur noch 22000. Mann übrig hatte, als er Ronstan-linopel erreichte. Der griechische Kaiser Alexis nahmdiese Horde sehr freundschaftlich auf, und wollte sieeinsweilen, bis die übrigen Züge aus dem Abendlandeanlangten, in seinen Staaten versorgen, weil er wohlvoraussehen konnte, daß eine Armee von 20000. Mannviel zu schwach seyn würde, es mit den Sarazenen,welche ganz Kleinasien in ihrer Gewalt hatten, auf-nehmen zu können. Allein die Kreuzzüger erwiedertendie Freundschaft des Kaisers mit schlechtem Danke.Ihnen war alle Kriegszucht so unbekannt, daß sie einLand, welches sie als Gäste aufnahm , verwüsteten,die Palläste der Grossen in Brand steckten, und so heiß-hungrig nach Beute waren, daß sie das Bley von denKlrchendächern stahlen, und es wieder an die Griechen-erkauften. Alexis bereute seine Großmuth, und ver-