128 Einleitung.
Drittes Kapitel.
Weitere Ausbildung des pabstlichcn Despotismuswahrend des Investiturftrcires. Baiser Heimrichs V. beunruhigte Regierung.
Ä)?it Gregorn VII. hatte sich die Periode des immersteigenden Ansehns der Päbsie, und mit Heinrich IV^die Epoche der Kränkung und Schwächung aller nach-folgenden Kaiser angefangen. Obne allem Zweifel sinddie Vorfahren der Letzter» zum Theil selbst an den Un-glücksfallen und an der Demüthigung ihrer NachfolgerSchuld. Sie haben dadurch, baß sie die Wahlen derhöher» Kirchenämter von sich abhängig machten, derReligion eben so wenig Vortheil, als ihren Regierun-gen Sicherheit verschaffet. Sie erhuben die Prälatenihrer Reiche zu mächtigen und vermöglichen Landstän-Len, und bedienten sich ihrer als einer Gegenmachtwider die weltlichen Großen, deren Herrschsucht ihnenbeschwerlich schien. Aber sie dachten vielleicht nichtdaran, daß ihnen erstere weit gefährlicher als letzterewerden könnten, und daß selbst die äussere Verfassungdes geistlichen Hierarchensystems nach und nach eineTrennung der geistlichen von der weltlichen Macht be-günstigen würde.
Wie schnell, und mit welcher zuversichtlichen Uner-schrockenheit Gregor VII. alle zufälligen Umstände be-nutzte , um eine solche Trennung zu Stande zu brin-gen , haben wir bereits schon in der vorigen Periodegesehen. Freylich waren alle seine Handlungen so über-raschend, seine Grundsätze so unerhört, und die Aus-führung seiner Entwürfe so abentheuerlich kühn, daßman beynahe zweifeln könnte, ob irgend einer sei-ner Nachfolger Selbstvertrauen und Verwegenheit ge-nug haben würde, um es da, wo er es gelassen hatte,gleich ausharrend und planmäßig fortzuführen. Allein
der