Drittes Buch. i6r
ringste Erwartung von ihrem gesegneten Erfolge gerecht-fertigt zu haben, aufgehoben, die drey Päbste lebtennoch schändlicher, als vorher, und die Christen sahendas Heiligthum ihrer Religion noch ärger, als jemals,geschändet und mißhandelt.
Kaiser Sigismund, ein ungemein thätiger Monarch,hatte ein aufrichtiges Verlangen, der Religion ihre Eh-re, und der Kirche ihren Frieden wieder zu geben.Er veranstaltete im Jahr 1414- zu Bonsianr eine all-gemeine Synode. Diese ist ungleich merkwürdiger,als die zu pisä. Hier wurde die längst vergesseneWahrheit wieder hervorgezogen, daß die Gewalt einerjeden allgemeinen Kirchcnversammlung über die Gewaltder Pabste erhaben, und diese den Aussprüchen der-selben , in so f rne sie das Dogma und tue Reforma-zion der Kirche an Haupt und Gliedern betreffen, un-terworfen sey Muthig schritten die versammelten Vä-ter auf dieser Bahn dahin, und sie bewiesen durchdie Gefangcnnehmunq und Absetzung Pabsts JohannesXXlll. nicht b os theoretisch, sondern auch pracktischihre Superioritat über die Pabste. Aber ungeachtetaller Strenge, mit welcher sie eines der lasterhaftestenKirchcnhäupter bestraften, und obgleich, besondersdurch französische Theologen, über die Gebrechen derKirche ein allgemein iu die Augen fallendes Licht ver-breitet wurde, so blieb es doch in der Hauptsache wie-der beym Alten Der neu erwählte Pabst iMartin V.wußte sich, einer Schlange gleich, aus dem Labyrinthezu winden, in welches er durch die Grundsätze der Re-formazionsfreunde gezogen wurde. Er läugnete zwardie Nothwendigkeit des Rcformierens am Haupte nicht;aber er bat, ihn wenigstens in diesem Augenblickedamit zu verschonen, und versprach, das nach fünfJahren selbst zu thun, was jetzt schon gleich auf derStelle geschehen sollte. Um jedoch den Federungendes Konziliums von einer Seite, und wenigstens zum(Gesch. d. röm. Bruche. 1 . Bd. L