172 Einleitung.
hielten es nicht unter der Wurde eines StellverkrettersGottes, für einen kleinen Tribut schlechten Dirnen öf-fentliche Unzucht zu gestatten Sie selbst gieugen mitkeinem erbaulicherm Beyspiele voraus. Ganz Romwußte es, daß Jnuozenz VIll. die Kirche beraubte,um seine sechszehn Hurenkinder zu versorgen. Alexan-der Vl war mehr als ein Ungeheuer, und so äusserstlasterhaft, daß unter allen Lvbredncrn römischer Bi-schöfe kein einziger den Muth hatte, seine entsetzlichenVerbrechen zu bemänteln. Die Geschichte seiner Re-gierung ist ein Zusammenhang von Raub, Meineid,Blutschande und Meuchelmord. Er hatte an JuliusII. einen Nachfolger, der zwar nicht so schaamlos, alser, öffentliche Verbrechen begieng, aber um nichtsweniger eine der fürchterlichsten Geißeln der Menschheitwar. Mehr also 202000. Menschen wurden das Opferseiner gewaltthätigen Herrschsucht. Seine ganze Re-gierung war mit Blut befleckt, und er konnte mit weitnrehrerm Rechte für einen Soldaten, als für einen Prie-ster angesehen werden. Unbegreiflich scheint es fast,daß unmittelbar nach den dreyen berühmten Kirchen-versammlungen von pisa, Lonstauz und Basel, diePäbste den Muth noch haben konnten, so äusserst la-sterhaft zu seyn; und noch unbegreiflicher ist es, daßunter den christlichen Völkern keine allgemeine Empö-rung ausgebrochen ist. Gerade zu dieser Zeit fehlte esan hellen Köpfen nicht; und Frankreich, Deutsch-land und Italien hatten eine Menge von Gelehrten,welche ihre Zeitgenossen aufklärten, und den Anfangdes sechszehnten Jahrhunderts zur denkwürdigsten Epo-che der Litteratur machten. Allein unglücklicher Weisewurde die Welt gerade zu dieser Zeit von Monarchenbeherrscht, welche den Staat nicht viel besser, als diePabste die Kirche regierten. Ueberhaupt aber war esbisdahin schon hinlänglich erwiesen, daß die weltlichenRegenten über die schändliche Aufführung der Geistlü