Band 
Erster Band.
Seite
178
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178 Einleitung.

walt ihrer Gegner immer weiter von einem Schrittezum andern waren fortgeflossen worden. Aber diesesist der gewöhnliche Gang aller Revoluzionen. Die un-bedeutendste Bewegung , welche einmal ganz unerwartetein an vieljährigen Besitz gewöhnter Usurpator em-pfangt/ macht ihn verwirrt; und sein Bestreben/ sichwieder in die vorige Stelle zu setzen / veranlaßt dieBewegenden/ ihn nur stets weiter zu verdrängen.

Leo, der vielleicht weit mehr als irgend ein ande-rer / empfand / wie sehr Vernunft und Religion Lu-thers Parthey begünstigten/ hatte sich, ohne Zweifel/jede nur einigermaassen billige Friedensvorschläge gefal-len lassen. Allein nicht so dachten seine Höflinge / diePrälaten/ die grossen Hierarchen und die Theologen/die er in einer so bedenklichen Lage zusammenberief,um von ihnen ihre Meynungen zu vernehmen. IhrEigendünkel galt mehr / als alle Politik. Sie glaub-ten, daß es, um Ketzereien zu vertilgen, weiter nichtsals Bannflüche brauche. Sie beredeten den schwachen,unpolitischen Pabst, eine Bulle zu unterzeichnen, wo-rinn ohne alle Rücksicht auf die heilige Schrift jederangefochtene Mißbrauch der pabstlichen Gewalt, undjeder willkürlich eingeschobene Irrthum in der Religions-lehre neuerdings bestätiget, jede entgegengesetzte Mey-nung verdammt, und Luther samt seinen Anhängernverflucht wurde. Mit einem triumphierenden Lächeln,als wäre eine solche Bulle hinlänglich, noch weit furcht-barere Feinde zu demüthigen, wurde sie von den Krea-turen der grossen Hierarchen, von den meisten deut-schen Prälaten und Mönchen, an allen Orten bekanntgemacht. Die Universitäten von Löwen und Rolln,welche schon vorhin Luthers Lehre verdammten, brü-steten sich stolz, glaubten, den Sieg gewonnen zu ha-ben, und belustigten sich an den Flammen, in welchesie seine Schriften warfen. Allein alle diese triumphier-lichen Siegesgeschreye, alle diese stolzen Hofnungen