Band 
Erster Band.
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Viertes Buch. i?7

Busse nicht in einer genauen Aufzählung begangenerSünden, sondern in dem festen Entschlüsse, sich zubessern, bestehe, und zück-tigte endlich die Ausgelassen-heit der Mönche. Vergebens sprachen die Theologenvon Löwen und Böller über Lurhers Lehrmeynun-gen ihre Verdammung aus. Diese verbreiteten sichunglaublich schnell über ganz Deutschland, und fan-den um so mehr Beyfall, als man, um mit Luthergleicher Meynung zu seyn, nur der Vernunft und derSchrift Gehör geben durfte; da man im Gegentheilebeydes verläugnen oder mißkennen mußte, um glaubenzu können, was die Verblendung, der Eigennutz, undder Stolz seiner Gegner geglaubt wissen wollte.

Mit eben so vieler Bestürzung als Schaam undVerzweiflung wurden endlich die grossen Hierarchender Kirche und alle diejenigen, die ihnen aus Nei-gung oder aus Interesse anhiengen, die gefährlicheUcberlegenheit ihrer Gegner gewahr. Ihnen war esunerträglich, daß ein verächtlicher Mönch sich erkühnthabe, ihrer Allmacht zu trotzen. Sie, die bisdahinjeden Angriff auf ihre unverletzlich geglaubte Hoheitmit willkürlichen Gewaltthätigkeiten von sich entfern-ten, meynten, daß Leo einen unverzeihlichen Fehlerbegangen habe, Lurhcrn nicht eben so geschwinde,wie Husten, in den Flammen vertilgt zu haben. Da*gegen aber schien Lee» mit weit mehr Einsicht, alsfeine Schmeichler, zu bereuen, daß er durch seineBulle nur zu weiter» Erörterungen Anlaß gegeben,und sich in das Gezänke der Mönche gemischt habe,welche von selbst am Ende Friede gemacht hätten.

Noch wäre es vielleicht Zeit gewesen, durch ein klu-ges Benehmen einem allgemeinen Brande vorzukommen.Noch hatten die Reformatoren kein planmäßiges Sy-stem; und sie wären vielleicht, so wie viele ihrer weitfrühern Vorgänger, an einem gewissen Punkte stehengeblieben, wenn sie nicht durch die unbesonnene Ge-

(Gesch. d. röm. Bische. I. Bd.) M