r8o Einleitung.
hoben wurden ; aber vielen war es noch unerträglich ,daß zugleich auch das Volk von Vorurcheilen bcfrcyetwerden sollte. Viele wollten es Luthein nicht verzerrhen daß er mit der Hierarchie zugleich auch die Log-matik angegriffen hatte. Aber eben so viele konnten esleicht begreifen , daß die Hierarchie unmöglich anders,als durch einen Angriff auf ihr dogmütifchcs Systemerschüttert werden könne.
Als Bari V. ein Mann, dessen stolze Entwürfe dieHerrschaft von ganz Europa umfaßten, auf den Kaiser-thron stieg, war jedermann in Erwartung, wie sich die-ser Monarch in Ansehung der Religionsbewegungenbenehmen würde. Furcht und Hofnung bemächtigtensich jeder Parthey. Es war leicht vorauszusehen, daßein Mann, der Alleinherrscher werden wollte, seineMacht mit dem Pabste nicht theilen würde. Aber ebenso begreiflich war es, daß er diesen schonen werde,so bald er seines Einflusses zur Bezwingung einer ande-ren Macht benöthiget seyn dürfte. Man betrog sichhierinn nicht. Schon auf seinem ersten Reichstage zuworms zeigte es sich, daß er bloß nach Konvenienzhandle. Er hatte Lurhern vor der glänzenden Ver-sammlung erscheinen lassen, und ihn, ohngeachtet diemeisten deutschen Stände ihm geneigt waren, samt sei-nen Anhängern mit der Reichsacht belegt. Aber geradeauch diese , vielleicht nur bloß scheinbare Strenge, be-förderte die Reformazion Jedermann bewunderte dieUnerschrockcnheit, mit welcher sich Luther weigerte,Behauptungen, von deren Falschheit er nicht überzeugtwerden konnte, zu widerrufen. Sein Anhang wurdegerade darum so viele zahlreicher, weil die ausgesprocheneAcht es gefährlich machte, seiner Parthey anzuhangen.
Eben aber auch diese Gefahr, und die glücklicheMüsse, die er aufdem Schlosse Wartburg genoß, wo-hin ihn der Churfürst Friedrich von Sachsen seinerSicherheit wegen bringen ließ, veranlaßten ihn, mit