Viertes Buch.
mehr Ruhe dasjenige zu vollenden, was er mit so vie-lem Ungestüm und unter so mancherley Zerstreuungenangefangen hatte. Erst jetzt konnte er mit anhaltendemFleissc die Widerlegungen ausarbeiten, mit welchen erdie Manifeste neuer Gegner beantworten mußte. Daßgerade auch zu dieser Zeit König Heinrich VIII. vonEngland Fanatiker genug war, über die sieben Sa-kramente gegen Luther ein elendes Buch zu schrei-ben, verschalte diesem mit der Gelegenheit, seineKräfte auch mit einem Monarchen zu messen, zugleichden Ruhm, einen gekrönten Glaubensbeschützer, (sonannte der Pabst in einem Anfalle von Entzücken einenso erhabenen Hierarchenfreund) in einer litterarischenFehde besiegt zu haben. Mehr aber, als mit allenbisherigen polemischen Gefechten, nützte Lucher seinerParthey offenbar mit der deutschen Uebersetzung derBibel, welche er in seiner Gefangenschaft auf der Wart-burg ausarbeitete. Diese göttliche Urkunde der Reli-gion, deren gänzliche Vertilgung die grossen Hierar-chen so gerne gesehen hätten, war für seine Anhängerein ungemein wichtiger Fund, und alles Bestrebender Emser, Ecke und Drctenberger, die deutscheBibel zu verdrängen, diente weiter zu nichts , als ihreBekanntmachung , und mit dieser ein viel besseres Chri-stenthum, als das römische, zu befödcrn.
So schien es denn natürliche Folge aller bisherigenEräugnisse zu seyn, daß sich, gleichsam von selbst, eineabgesonderte Religionsgesellschaft bilden mußte. Vonjetzt war Luther eine entbehrliche Person. Der Ton,den er einmal angegeben , hatte bey weiten den größtenTheil der Najion aufgeweckt. Grössere und kleinereGenies, als er war , ruhige und unruhige Köpfe,kaltblütige und leidenschaftliche Menschen arbeiteten,obgleich nicht mit den nämlichen Hülfsmitteln, zumnämlichen Endzwecke. Ohne von irgend einer hohemMacht aufgcfodert unternahm man es hier und dort.