Viertes Buch. i87
so verblendet oder so willig seyn würden, ihre Heerezum Dienste der sogenannten Kirche in Schlachten zuführen, wurde von Jahr zu Jahr immer ungewisser;und selbst mehr als einmal erfuhr man in Rom, daßes dieselben in diesem Dienste so genau nicht nah-men , und den heiligsten Vater eben so , wie denverfluchtesten Ketzer, in die Enge trieben. Mehr als nurbloß wahrscheinlich ist es, daß, wenn zu Gregors VII.oder Jnnozenzcns III. Zeiten die Armeen die heutigeVerfassung schon gehabt hatten, diese Päbste sicher dieersten gewesen seyn würden, ihren Bannbullen durchKanonenfeuer Respekt zu verschaffen.
Glücklicherweise war es schon allzuspat, die ange-maaßte Herrschaft des römischen Stuhls auch von einersolchen Seite zu befestigen. In frühern Zeiten würdees weniger Mühe gekostet haben, Kriegsschaarcn fürden Dienst der Päbste zu werben. Wein gerade darinnversahen es die herrschfüchtigsten Häupter, daß sie auseiner mißverstandenen Politik diejenigen Länder , in de-ren Mittelpunkt vormals sich die ganze Herrschaft überdie Welt vereinigte, zu den elendesten, schwächsten unddürftigsten Ländereien des Erdbodens umschuffen, undsich selbst von dem ungewissen und wandelbaren Schick-sale, welchem jede nur bloß in der öffentlichen Mey-nung befestigte Macht unterworfen ist, abhängig mach-ten. Unlaugbar haben sie zwar mit weit mehr Glückeund weit dauerhafter , als irgend ein weltlicher Mo-narch , bisher mittels der Herrschaft über die Mey-nungen (mittels eines blind sklavischen Glaubens) dieGrundfesten ihrer religiöspolitischcn Macht erhalten.Allein sie schienen doch nicht alle Möglichkeiten vor-ausgesehen , und sich selbst mit allzu vieler Zuversichtjeder Gefahr einer Revoluzion in den Meynungen aus-gesetzt zu haben. Denn wie hätten sie, wenn je tiefgedachte Politik ihre Sache gewesen wäre, mit so we-niger Schonung der Augen, die auf sie blickten, sich