Band 
Erster Band.
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^90 Einleitung.

daß es Wider alle Politik sey, in einem solchen Feit«punkte der Gährung an Reformazionen zu denken. » Es„ sey nicht zu erwarten, sagte er, daß die Lutheraner»auf einem solchen Wege zurecht könnten gewiesen wer«» den; vielmehr müsse man glauben, daß solche Mit-tel nur dazu dienen würden, ihnen noch mehr Kredit»zu verschaffen : denn das Volk sey gewohnt, nur nach»dem Erfolge der Begebenheiten zu urtheilen. Würde»man auch nur einen einzigen Mißbrauch abschaffen -»so würde das Volk verleitet werden, zu glauben,» daß alles, was Luther an der Aufführung des römi-schen Hofes getadelt habe, auch wirklichen Tadel ver-diene. Selbst die Häupter der Ketzersekten würden,» wenn man ihnen auch bloß in einem Stücke nachgebe, nut»verwegener werden, und von einer Federung Zur andern» schreckten. Dieses sey der gewöhnliche Gang des mensch-lichen Geistes. Man dürfe nur die Geschichte verflosse-ner Jahrhunderte aufschlagen, um zu finden, daß alle»Ketzer, welche sich zu jeden Zeiten gegen das Ansetzn» der römischen Kirche aufgelehnt, stets die verdorbenen»Sitten des Hofes zu Rom als den Vorwand ihrer»Empörung angegeben haben- Gleichwohl hatten die»Päbste es nie für dienlich erachtet, an eine Reforma-tion der Sitten zu denken, sondern sie hatten jederzeit»erst zu Ermahnungen und Drohungen, und, als diese»vergeblich gewesen, zum weltlichen Arme der Fürsten»ihre Zuflucht genommen. Man müsse nach der nämli-»chen Maxime auch jetzt zu Werke gehen. Nichts ver-anlasse so leicht eine gänzliche Staatsumwälzung, als„irgendeine Abänderung in der Regierungsform. Maul„würde, wenn man Neuerungen unternehmen wollte -» den ganzen Staat der größten Gefahr aussetzen. Da-„ gegen wäre es das rathsamste, die nämlichen Schritte»zu gehen, welche so viele heilige Päbste stets zu ihrem»Vortheile betrctten hätten. Ketzereien wären noch nie»durch Reformazionen, wohl aber durch Kreuzzüge und