Viertes Buch. 191
„durch die Waffen der Könige vertilgt worden. Auf„solche Weise hatte Innozenz III. die Waldenser in„ Langucdoc ausgerottet u. s. f. Es fehle an deutschen„Fürsten nicht, welchen der Pabst nur einige Ländercien„der Lutherischgesinnten anbieren dürfe, um sie zur Er-greifung der Waffen für den heiligen Stuhl zu bewe-„gen. Das gemeine Volk wäre leicht durch Ablasse„u. d. gl. zu gewinnen,..
Schon aus dem Inhalte dieses Gutachtens leuchtethervor, was aus der christlichen Religion nach einemVerlaufe von fünfzehn hundert Jahren geworden ist;nämlich ein Puppenspiel, mit welchen die grossen Hie-rarchen, sehr oft auch in Gemeinschaft mit weltlichenRegenten, willkürlich nur bloß zur Befriedigung ihrerLeidenschaften, zur Behauptung ihrer angemaaßten Grös-se, und allemal zur Unterjochung der gemeinen Men-schenklassen, spielten. Hier kam es nie in die Frage,ob wirklich das Christenthum einiger Verbesserung be-nöthigct sey ; sondern es fragte sich nur stets, wie dieangefochtene Macht der Hierarchie und alle davon her-rührende Mißbrauche gerettet werden müßten? Ganznatürlich konnte man nach den Begriffen des Zeitalterseine solche Frage nicht anders, als Kardinal Sodo-nm, beantworten. Jeder Gedanke an Reformazionmußte gefährlich, und jeder Vorschlag, sich mit Waffenund Gewalt zu helfen, willkommen seyn.
Soderi'ni war ein sehr erfahrener Staatsmann. Al-lein Hadrian wollte zugleich auch ein ehrlicher Mannseyn. Seine edle Denkungsart kämpfte mit seiner Po-litick; und es ist wohl kein Wunder, daß er in derStunde eines solchen Kampfes sich gegen einen ver-trauten Freund äusserte: Wie er die pabstlrche Würdefür eine schwere Last halte, indem er gehindert würde,so viel Gutes zu thun, als er wünschte. Indessen hater gleichwohl nicht in allen Stücken die Staatspolikickskiner Kardinäle befolgt; und er war noch beständig