Einleitung.
einsahen. Cr wollte unbeschränkt über Deutschlandherrschen, und sich das ganze übrige Europa unterwer-fen. Männer von seinem Charackter und von seinerHerrschbegierde nehmen es mir der Religion der Völ-ker so genau nicht. Ihnen ist jede Seckte willkommen/die ihren Leidenschaften huldigt, und ihre Religion istbloß Konvenienzreligion. Die ganze Regierung BarisV. ist ein Beweis davon. Schon auf seinem erstenReichstage zu H)orn,s zeigte es sich, daß er die Re-ligivnszwistigkeiten nur nach politischen Verhältnissenbeurtheilte. Sichtbarer bewies er dieses nach dem Ab-schluß des Ernbergischen Reichstages, dem er nichtpersönlich beywohnte. Er äusserte sein Mißvergnügendarüber, daß die deutschen Reichsstände ohne seineBeystimmung aus eigener Bewegung auf eine Kirchen-Versammlung appellierten, und fand es höchst belei-digend, daß sie der Religionsangelegenheiten wegeneinen Reichstag nach Sperer ausschrieben.
Barl hatte sein Mißfallen den deutschen Standenin einem Tone bezeigt, der ihnen eben so ungewöhnlichals beleidigend schien. Man befürchtete , daß der Kai-ser seine Macht weit über die Grenzen der ständischenReichsverfassung ausdehnen, und Deutschland etwanach spanischem Geiste beherrschen möchte. Am mei-sten besorgten dieses die evangelischen Stände, welchemit Mißtrauen die Schritte der Katholischen ansahen,und bereits schon zu Lorgau ein gemeinschaftlichesSchuzbündniß unter sich schlössen. Durch diese gegen-seitige Verhältnisse wurden alle Gemüther in Bewegunggesetzt, und der Streit, der bisher bloß die Religionbetraf, nun auch in politischen Rücksichten behandelt.
Mit gegenseitigem Mißtrauen und erbitterten Ge-müthern kamen die Stande beyder Religionspartheyenim Jahr 1526. auf dem neuen Reichstage in Gpeicrzusammen. Der Kaiser befahl ihnen von Spanienaus, in Sachen der Religion nichts zu verfügen, und