Band 
Erster Band.
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217
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Viertes Buch. 217

eine gemafflgkere Reformazion gewünscht haben mag,schüchtern und für ihre Sache unthätig gemacht hät-ten. Eben ihre so trvzende Loßreiffung vom römischenStuhle war zum Theil Ursache, daß es jetzt nicht so fastmehr um die Reformazion desselben, als vielmehr um dieBefestigung seines Ansehns zu thun war. Und daherschien es den feinern Köpfen gerade der bequemsteZeitpunkt, die Macht des pabstlicheu Hofes durch all-mählige Unterjochung des Menschenverstandes zu si-chern. Daß dieses auch wirklich geschehen sey, bewei-set die katholische Kirchengcschichtc des siebzehnten undachtzehnten Jahrhunderts mehr als hinlänglich. Erstin dieser Epoche wurden blinder Glaube, gedankenlo-se Gottesdienstlichkeit, und Unterwerfung gegen dieGeistlichen für die edelsten Vorzüge des Menschen ge-halten, und Aberglaube, lächerliche Ausdächteley undMönchsreligion weit allgemeiner, als sie es zuvoxwaren, unter den Völkern verbreitet. In den Zeitender ärgerlichsten Pabste und des tiefsten Verfalls derKirche war die Religion bey weitem in keiner so schänd-lichen Mißgestalt, als unmittelbar nach der Reforma-zion. Selbst der nun erst tief eingepflanzte Religions-haß verknete manchen Katholiken, abgeschaftc Miß-bräuche beyzubehalten, und den Aberglauben bis insLächerliche zu übertreiben.

Wein ein solches Verderben hatte nicht bloß die Reli-gion , sondern auch zugleich die politischen Regierungenangegriffen. Erst jetzt schien sich der Despotismus weltli-cher Monarchen genau mit dem Despotismus der Geist-lichen zu verbinden. Beyde liehen sich gegenseitig ih-re Macht, um Völker zu unterjochen, und beyde glaub-ten, nur durch Unterdrückung aller Denkfreyhcit ihrenZweck zu erreichen. Auffallend genug schien es schon er,wiesen zu seyn, daß Menschen, welche ihre Religion freyzu untersuchen wagen, sich nie bequemen würden, ein all-zu hartes politisches Joch zu kragen. Daher war denn