220 Einleitung.
gen einer solchen Mordlehre; und die Könige, diesonst gewöhnlich nur in allgemeinen Aufruhren ihrerVolker ihr Leben verloren, wurden nun mitten imFr-eden von den Dolchen einzelner Fanaticker nieder-gestosscn, welche von ihren Verbrechen keinen andernVortheil hatten, als sich, wenn sie durch unerhörteQuaalen aus dieser Weit geschaft wurden, in der an-dern mit einer Heiligcnkronc belohnt zu glauben.
Aber selbst diese furchtbare Staats kaust , die sich nurmit verborgenen Dolchen bewafnete, konnte nicht mitgleichem Glücke in allen Ländern eingeführt werden.Die Republik Venedig machte es dem Pabst nur all-zu begreiflich, wie ohnmächtig er gerade zur Zeit war,als er seine Starke an ihr zu versuchen begann. Paul V.warf auf den Staat der sich über das Jmmunitäts-system der Kirche hinwegsetzte, und Geistliche ergrei-fen ließ, welche Srassenraub und Blutschande verüb-ten , Bann und Jmerbickt. Aber wie sehr verrechnetesich der kühne Pabst in Ansehung der Folgen eines sol-chen Fluchs! Was ein Monarch vielleicht gelitten hat-te , war Aristokraten unerträglich , die schon durch ih-re Sraarsverfassung weit mehr, als Willkührliche ein-zelne Regenten, in den Stand gesetzt wurden, mitNachdrucke gegen römische Maximen sich zu erwehren.Sie stellten es ihrem Klerus frey, Gottesdienst, wiegewöhnlich, zu halten, oder ausser die Grenzen desrepublikanischen Gebiets zu fliehen. Die Jesuiten ver.bannten sie aus ew g aus ihrem Staate , und irrtensich nicht, sie für tückische »nd gefährliche Partheygan-gcr zu halten. Fast wäre es zum Kriege gekommen.Aber die Sprache, welche Rom und Venedig in ih-rer höchsten Erbitterung gegen einander führten, wirk-te bey weitem mehr, als Kanonenfeuer und Basonet-tenstiche. Ohne Blutvergiessen würde der Freystaat sichvon Roms Herrschaft ganz getrennt haben, wennnicht bey Zeiten die Pol nck des französischen Hofes