268 Gesch. d. römischkath. Kirche.
gen sie in die Sixtimsche Kapelle, um sie darinn aufeine prachtvolle Baare zu legen. An diesem Orte wur-de der Verstorbene mit dem Pontistkalhabite angeklei-det, und dann auf ein hohes Bette niedergelegt, umwelches eine Menge Lichter brannten. Den folgendenMorgen erschienen das Kapitel und dieKIerisey des Va-tikans , und das ganze Kardinalkollegium in der Gix-tinischen Kapelle, wo die Leiche samt dem Bette auf-gehoben, und in die St. Pcterskirche getragen wurde.Sobald Lascaris, Patriarch von Jerusalem, diesel-be eingesegnet hatte, brachten die Träger sie in dieKapelle des heiligen Sakraments, wo sie drey Tageliegen blieb. Gewöhnlich werden die Füsse jedes ver-storbenen Pabstes durch die Oefnung eines Gitters derVerehrung des andächtigen Volks überlassen, welchesim Gedränge herbcykömmt, sie zu küssen. Allein die-sesmal überwand der Eckel die Andacht. Niemandhatte Lust, Füsse zu küssen, die bereits schon in Fäul-niß übergegangen waren. Am dritten Tage, den 27.Herbstmonach 1774. wurde endlich in Gegenwart einigerKardinäle, der Kammerprälaten, Zeremonienmeisterund anderer Bedienten die Leiche in drey Särge vonCyprcssenholz, von Bley und von Ulmcnholz gelegt,nachdem zuvor das Gesicht mit einem weissen Tucheund der ganze Körper mit einer rothen seidenen Dckebedeckt worden ist. Ueber die ganze Verrichtung wurdesodann eine gerichtliche Urkunde aufgesetzt und besiegelt.
Schon am 2;. Herbstmonathe versammelten sich dieKardinäle im Vatikan, wo von dem Sekretair des Kol-legiums die Konstituzionen Gregors X. Julius II.pius IV. Gregors XV. Urbans VM. und Rie-mens Xll. in Ansehung der Wahlordnungen einesPabstes vorgelesen und von den Kardinälen beschwo-ren wurden. Der Kämmerling Racl Rezzomco, zer-brach den -Fischerring und alle andern pabstlichen Sie-gel. Er erhielt zugleich den Auftrag, in Gemeinschaft
mit