Zweytes Buch. Z7r
In Rom ist man sehr geneigt/ das gleichzeitigeAufwachen der Regierungen in unserm Jahrhundertefür das Werk einer ruchlosen Kaballe anzusehen; undman sollte/ wenn man ihren Vergebungen trauenmüßte/ glaube»/ als waren alle Regenten dieser ZeitSchwachköpfe und ihre Minister Gotteslaugner undReligionsfcinde gewesen. Die Kurialisten können slchin ihrer Verzweiflung nicht massigen / und erlauben sichdie gröbsten Ausfalle auf die Regierungen / gleichals wäre es eine Vermessenhcit / die seines gleichennicht hatte/ den vorgeblich sichtbaren Statthalter un-sers heiligen Religionsstiftcrs in blossen Observanzrech-ken zu verkürzen. Aber begreift man denn nicht/ daßalles Menschenwerk nichtig sey? und daß die politischeMacht der Hierarchen nicht von Gott, sondern vonHandlungen menschlicher Gewaltthätigkeit herrühre?Dürfte man sich je über etwas verwundern/ so müßtees darüber seyn/ daß es die Erfahrungen von beyna-he achtzehn Jahrhunderten brauchte/ um über Sachen/die so deutlich in die Augen fallen / aufgeklart zu wer-den. Aber man wäre auch dieses viel späther gewor-den/ wenn nicht glücklicherweise die übelberechnetenGewaltthätigkeiten des römischen Hokes zunächst Ge-legenheit gegeben hatten/ aus einem beynahe tödtlichcnSchlummer erweckt zu werden.
Lsslaria Theresia und percr Leopold waren nichtdie ersten und nicht die einzige»/ welche das hierarchi-sche System der Kirche erschütterten. Josiph l. vonPortugal und Rar! Ili. von Spanien halten schonfeit mehrern Jahren nach Sraatsgrundsatzen gehandelt,welche dem römischen Hofe nichts weniger als ange»nehm waren. Beyde gaben sehr vernehmlich zu ver-stehe»/ daß sie einen Theil der Gewalt, welchen bisherdie Bischöfe von Rom in ihren Reichen ausübten / nunselbst ausüben/ und ihr Recht,hiezu mit allem Nach-drucke behaupten würden. Plus VI. befand sich ge-