4io Gesch. d. römischkath. Kirche.
naths beschloß er sein Leben in einem Alter von 72. Jah-ren, von welchen er 55. Jahre Jesuite und 15. IahteGeneral des Ordens war. Am 2Z. Abends brachteman seinen Leichnam ohne alles Gepränge in die Na-zionalkirche der Florentiner, wo er am 26. Morgensmit grosser Fcycrlichkeit ausgesetzt wurde. Den näm-lichen Abend trug man denselben in die Kirche des Ge-su, wo er nach dem Willen des Verstorbenen in derStille begraben wurde.
Ehe er am 19. Wintermonath das Heil. Abendmahlzu sich nahm, machte er in Gegenwart derjenigen,welche das Sakrament in sein Gefängniß begleiteten,nachstehende, eigenhändig geschriebene Protestazionbekannt:
»Die Ungewißheit der Zeit, in welcher es Gott ge-fallen möchte, mich abzurufen, und die Gewißheit,daß eine solche Zeit nahe ist, in Betracht meines hohenAlters und der Menge und der langen Dauer der schwe-ren Leiden, welche über meine schwächliche Kräfte ge-hen, erinnern mich, vorläufig meine Pflichten zu er-füllen, indem es sehr leicht geschehen kann, daß dieBeschaffenheit der letzten Krankheit mich hindern möch-te, dieses im Augenblicke des Todes zu thun».
»Da ich mich nun als einen Menschen ansehe, derim Begriffe steht, sich vor dem Richterstuhle der untrüg-lichen Wahrheit und Gerechtigkeit darzustellen, welchesder göttliche Richterstuhl allein ist; so habe ich meinenbarmherzigsten Erlöser und schrecklichen Richter demü-thig angerufen, er wolle nicht zugeben , daß ich michdurch Leidenschaft verleiten lasse, insonderheit in einerder letzten Handlungen meines Lebens, und mache nurfolgende zwey Protestazionen und Erklärungen, nichtaus Bitterkeit meines Herzens, noch sonst aus andernLeidenschaften oder bösen Absichten, sondern allein des-wegen, weil ich glaube, daß es meine Pflicht ist, derWahrheit und Unschuld Gerechtigkeit wiederfahren zulassen.»