4i6 Gesch. d. römischkath. Kirche.
Kein asiatischer Sultan kann leicht hierin» einen Pabstübertreffen. Beyde wollen sich für etwas Bessers alssür Menschen angesehen wissen, und vor beyden müs-sen ihre Hofschranzen kriechen, um dem übrigen VolkFurcht und Schrecken einzuprägen.
Zu dieser so lächerlichen als unsinnigen Zeremonie,welche in der Sprache der Römer eine Cavalcadeheißt, bestimmte der Pracht liebende plus den zo.Wintermonath. An diesem Tage erschienen die Kar-dinäle in ihren rothen Hüten um iy. Uhr welschenZeigers in dem Kleiderzimmer des Vatikans, wo balddarauf auch der Pabst mit der Falda, dem weissenChorrock, dem Mäntelchen vom rothen Felle, derprächtig gestickten Stolle, der rothen Kappe und dempabstlichcn Hute bekleidet ankam. Mittlerweile hattesich die gesammte Geistlichkeit, alle Hofbeamten, alleLivreebedienten der Kardinale, der ganze römischeAdel, die päbst liche Militz, und überhaupt jeder Figu-rante, welcher bey diesem theatralischen Auftritte eineRolle zu spielen hatte, in einem Putze, der sowohldurch den Schimmer des Goldes und Silbers, derauf den Kleidungen glänzte, als durch das Eigen-thümliche des Kostüms, das dabey beobachtet wurde,das Auge des Zuschauers auf die mannigfaltigste Wei-se weit mehr ergötzte als erbaute. Wahrend der rö-
sollke es möglich seyn, den Grad der Ausschweifung zu begrei-fen, der uötbig ist, um in dem bekannten Einritt des chrisili»chen Religwnsstistcrs in Jerusalem weiter nichts, als einewirkliche Bcsitznehmnng der Königreiche von Zuda und Israel,so wie überhaupt, was noch viel mehr bedeutet, der ganze«Welt zn sehen. Und dürfte man sich, wenn es mit dieser Be-sihuehmung einen so sinnlichen Verstand gehabt haben soll, jewohl noch verwundern, daß die regierenden Häupter von Jeru-salem einen solchen «nmaaßlichm,König der ganzen Welt zumTode beföderten?