Zweytes Buch. 421
Hex erste Kardinalpriester, von den Auditoren der No-ta und den Konsistorialadvokaten begleitet, auf dieEvangelienseite des Altars, und stimmte alldort da?gewöhnliche Lx-mäi Lkritte an. Ihm folgte hieraufder Pabst, welcher den Segen gab, und sich vondem ersten Kardinaldiakon die dreyfache Krone auffe-gen ließ. Mit derselben auf dem Haupte stieg er nunin die Sanfte, worinn er unter einem von den Lare-rancnsischcn Chorherren getragenen Baldachin in dasZimmer gebracht wurde, weiches über der Fassadeder Kirche erbaut ist. Hier gab er dem zahlreich ver-sammelten Volke unter Abfeuerung der Kanonen aufHer Engelsburg den pabstlichen Scegen, legte die Pon-tifikalkleidung ab, und ließ sich unter Begleitung seinerPagen, des römischen Senats, der Gesandten vonBologna, der Statthalter von Rom, und der Thron-fürsten in seinen gewöhnlichen Pallast zurücktragen.
So endiget sich diese bekannte Cavalcade, bey wel-cher der blödsichtige Pöbel so vieles anzustaunen, undder einsichtsvolle Beobachter so vieles zu tadeln fin-det- Ihm wird nicht leicht die Bemerkung entgehen,daß die Erfindung des römischen Ritualwesens dasWerk Her feinsten Köpfe sey, die es voraussahen,daß eine Sache, welche sich von Seite ihres wahreninnern Werthes nicht anders als mittels des Vernunft-lichtes beschauen laßt, durch ausserlichen Fiitterglanzdem grossen Haufen empfohlen werden müsse. Obdadurch die Religion gewinne oder verliere, konnteihre Sorge nicht seyn, da es ihnen eigentlich darumzn thun war, in die Ritualgesetze die übertriebenenBegriffe von der chimärischen Erhabenheit des Pab-stcs zu verweben. Daher kömmt es denn auch, daßwider allen biblischen Sinn der sogenannte Statthal-ter desjenigen, der in seinem irrdischcn Leben auf Er-de nur als Leidender und als Lehrer der Menschenerschien, als ein Wesen, dem nur Anbetung und